Nr. 61 – Oktober 2026

Titelbild: Malerei der Klasse 5c

Editorial

«Nichts ist so beständig wie der Wandel»

Es sind immer wieder schöne Begegnungen, wenn ich zufälligerweise irgendwo ehemalige Schülerinnen oder Schüler treffe. Nach dem ersten Stressmoment, sich an den richtigen Namen und/oder die Klasse zu erinnern, ergeben sich oft kurze, aber sehr angenehme Gespräche. Natürlich will ich immer wissen, was die Person so macht: schon mit dem Studium angefangen, schon im Master, im Berufsleben, wo gelandet – und weil ich das ja schon eine ganze Weile mache, auch schon Familie und Kinder? Und in den allermeisten Fällen kommt dann auch die Gegenfrage: «Und Sie, immer noch an der Kanti? Was hat sich geändert, seit ich da die Matur gemacht habe?»

Die Beantwortung dieser Frage bringt mich immer ein bisschen in Verlegenheit. Ja, ich bin immer noch an der Kanti, ich mache grundsätzlich immer noch das Gleiche wie vor fünf, zehn oder fünfzehn Jahren – und ich mache es immer noch gerne. Was sich geändert hat? Gleichzeitig wenig und sehr viel. Natürlich verändern sich die Rahmenbedingungen und Strukturen stets. Erst in diesem Schuljahr sind die letzten Veränderungen der letzten Schulreform eingeführt und am Horizont türmt sich schon die nächste grosse Umstrukturierung auf (dazu in einem späteren Magazin sicher mal mehr…) KI ist allgegenwärtig, die Zahl der Unterrichtsgefässe nimmt zu, die Schule wächst. Aber im Kern bleibt Unterricht Unterricht, es geht um die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern. Und da ist gleichzeitig die grösste Veränderung, die dazu führt, dass es einem trotz der Beständigkeit nie eintönig wird: Es sind immer wieder neue junge Menschen, die vor einem sitzen und denen man etwas beizubringen versucht.

In einer Chronik-Ausgabe des Magazins wird dieser beständige Wandel sichtbar: Äusserlich sind die Ausgaben immer gleich, wir verabschieden die Maturandinnen und Maturanden, begrüssen neue Lehrpersonen und berichten vom vergangenen Schuljahr. Im Innern ist aber trotzdem jedes Jahr wieder neu, es sind die neuen Gesichter, die neuen Menschen und neuen Begegnungen, die das Schuljahr ausmachen. In dem Sinn wünschen wir viel Spass beim Durchstöbern der Chronik und viel Freude beim Entdecken des Wandels in der Beständigkeit.

Robert Richter, Redaktor

Schulleitung

Zurückblick

Wenn ich ganz ohne Agenda auf 2025/26 zurückblicke, kommen mir zuerst Dinge in den Sinn, die uns in der engeren oder weiteren Familie beschäftigt haben. Das sind Dinge, die handeln von einem, der auszog bis zu einem anderen, der wieder einzog, von Gesunden und Kranken und Glücklichen und solchen, die etwas mehr zu nagen hatten. Es ist anzunehmen, dass die meisten, die sich jetzt fragen, was 2025/26 für sie prägte, kaum zuerst an das Geschäft oder an die Schule denken. Kraft meines Amtes tue ich aber hier nun genau dieses.

Das Tagesgeschäft als wichtigste Komponente lief im üblichen Rahmen, nur ist dieser Rahmen schon ein rechtes Stück weiter gefasst als noch vor ein paar Jahren. Im August 2025 starteten 1182 Schülerinnen und Schüler ins neue Schuljahr – über 150 mehr als noch vor 10 Jahren. Das führte auch dazu, dass mittlerweile über 170 Lehrpersonen sich auf diese erste Schulwoche vorbereitet hatten, Tendenz steigend! Gleichzeitig war es so, dass das Sekretariat unterbesetzt war – wir wünschen uns sehr, dass jetzt Ersatz gefunden wurde und auch die Administration wieder voll bestückt ist. Dem Adjunkten und den Damen im Sekretariat gebührt ein spezieller Dank dafür, dass sie das Schiff über Wasser hielten, obwohl jemand in der Crew fehlte.

An Besonderem bleibt mir in Erinnerung, dass am diesjährigen Chorkonzert argentinische Klänge die katholische Kirche Bülach füllten und dass es beim Perlentauchen dieses Mal auch um tatsächliches Tauchen ging, dass die Schüler die Lehrer im Fussball in extremis schlugen und dass vor den Sommerferien die Lastwagen auffuhren, um unser altes Haus wenigstens in Teilen zu renovieren.

Ausserhalb des Unterrichts sind die Zürcher Mittelschulen auch zunehmend beschäftigt mit zwei Reformen. Da ist einerseits das Projekt «Governance» (vgl. den Artikel des Präsidenten). Viel unmittelbarer werden unsere Lehrpersonen und Schüler_innen aber das nationale Projekt WEGM (Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität) in seiner kantonalen Ausprägung WegZH zu spüren bekommen. Die ersten Klassen werden das Schuljahr 2029/30 im neuen System – ohne Profile, mit zum Teil völlig neuen Schwerpunktfächern – beginnen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.

Roland Lüthi, Rektor

Schwerpunkt

Rede zur Maturfeier

Liebe Eltern und Angehörige, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, liebe Maturandinnen und Maturanden

«Matura twentytwentysix» – so stand es auf Ihren stilvollen Shirts am letzten Schultag, der unter dem Motto «Nightlife» stand. Ein letzter Schultag, der zweifellos in die Geschichte der KZU eingehen wird. Was Sie daraus gemacht haben, erfüllt mich noch immer mit grosser Freude. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für diesen gelungenen und würdigen Abschluss Ihrer Kantikarriere – wirklich grossartig gemacht!

Wenn ich von hier oben in Ihre Gesichter schaue, habe ich den Eindruck, dass einige das Motto «Nightlife» in den letzten Tagen – oder besser gesagt Nächten – recht intensiv gelebt haben. Recht haben Sie und verdient haben Sie es auch!

Am 22. August 2022 erschien im Tages-Anzeiger ein Artikel mit dem Titel «Dosierter Stress kann die Resilienz stärken.» Die Kernaussage: Ein geringes bis mittleres Mass an Stress stärkt die psychische Widerstandskraft – die sogenannte Resilienz – und hilft uns, zukünftige Herausforderungen besser zu bewältigen. Ich gehe davon aus, dass Sie diesen Artikel damals gelesen haben, erwähne ihn dennoch und dies aus zwei Gründen – Erstens: Sie, liebe Maturandinnen und Maturanden, haben in den vergangenen vier oder sechs Jahren sicher mehr als nur gelegentlich ein «geringes bis mittleres Mass an Stress» erlebt. Sie haben gezeigt, dass Sie damit umgehen können. Sie haben Strategien entwickelt, sich durchgebissen, Lösungen gefunden, sonst würden Sie heute nicht hier in den vordersten Reihen sitzen. Einzelne Strategien führten zu einem Gespräch mit mir, aber das wollen wir heute nicht weiter ausführen. Zweitens: Genau an diesem 22. August 2022 begann für die meisten von Ihnen der erste Schultag in den zehn damals dritten Klassen, so wie sie hier vor mir sitzen.

In dieser Zeit haben Sie – ich habe etwas gerechnet, so gut dies ein Sportlehrer kann – rund drei Millionen Schritte auf dem Gelände der KZU zurückgelegt. Jetzt fehlen nur noch wenige Schritte bis zur Übergabe Ihres Maturzeugnisses und die schaffen wir gemeinsam.

Heute sitzen jene hier, die durchgehalten haben, die ihren Weg gegangen sind, die drangeblieben sind und das nötige Wettkampfglück auf ihrer Seite hatten, auch das braucht es ab und zu. Es sind dies 117 Schülerinnen und 91 Schüler.

Manche Erinnerungen an diese vier Jahre werden mit der Zeit verblassen. Versuchen Sie, die schönen Seiten Ihrer Kantizeit lebendig zu halten. Die negativen Ereignisse dürfen Sie vergessen oder daraus die richtigen Lehren ziehen.

Sie sind gut vorbereitet und gerüstet, deshalb haben Sie aus meiner Sicht einen klaren Auftrag: Übernehmen Sie Verantwortung in der Gesellschaft. Bringen Sie sich ein, gestalten Sie mit. Andere haben KI-Ahnig, Sie aber verfügen über ein breites Wissen und sind fähig, gute Argumente vorzubringen, um Ihren Standpunkt zu untermauern, Thesen zu verteidigen und andere von einer Idee zu überzeugen.

Ich gratuliere Ihnen heute nicht nur zur bestandenen Matur, sondern auch zu den folgenden Leistungen.

Sie haben als erster Jahrgang die neu eingeführte Jahrespromotion in der 5. Klasse gemeistert. Das tönt banal, ist es aber nicht, denn der Systemwechsel brachte einige von Ihnen an die Grenze des Bestehens.

Sie haben erreicht, was nur wenigen Jahrgängen bisher gelungen ist, ein 1:1-Unentschieden im Fussballspiel gegen die Lehrpersonen! Gut – das Penaltyschiessen haben die Lehrer dann verloren.

Ich komme zum Schluss:

Gehen Sie hinaus in die Welt, mit dem Maturzeugnis bieten sich Ihnen viele Möglichkeiten und Chancen, nutzen Sie sie oder zumindest eine davon. Machen Sie etwas, das Ihnen Freude bereitet. Und gerne dürfen Sie an die KZU zurückkehren und uns erzählen, wie es Ihnen ergangen ist. Das Kantifest, wir werden bald 55 Jahre alt, oder andere Anlässe laden geradezu ein, sich mit dann ehemaligen Klassenkolleginnen und -kollegen auszutauschen und zu erfahren, welche Lebenswege sie eingeschlagen haben.

Sie bleiben in unseren Köpfen, nehmen Sie das Zeugnis in die Hand und behalten Sie die KZU im Herzen.

Der hier abgedruckte Redetext wurde von der Redaktion gekürzt.

François Rey, Jahrgangsverantwortlicher

Klassenfotos

Klasse 6a

1 Benjamin Seydl, 2 Eva Schurter, 3 Hannah Stüven, 4 Céline Vögele, 5 Oliver Kotlowski, 6 Elsen Muraleetharan, 7 Leonie Kaiser, 8 Lara Hinnen, 9 André Fischer, 10 Anna Puthumana, 11 Emma Huber, 12 Diego Trüb, 13 Jana Zartowski, 14 Florinda Cotting, 15 Liliane Schildknecht, 16 Michaela Külling, 17 Dael Nadeem, 18 Steffi Mariyanayagam, 19 Lisa Bernasconi, 20 Sinan Moor, 21 Ella Stieger, 22 Sara Kahlert, 23 Larissa Smith, 24 Norina Bucher, 25 Venera Avdaj, 26 Klassenlehrerin Michèle Wenger.
Nicht auf dem Bild: Sara Bolliger.

Klasse 6c

1 Dragomir Zdravkov, 2 Clara Brink Dorca, 3 Nicolas Baur, 4 Justin Walder, 5 Noemi Lüthi, 6 Kyle Gisler, 7 Seraina Meyer, 8 Lilla Sinko, 9 Paul Baldinger, 10 Noélie Dénervaud, 11 Nico Müller, 12 Eliana Lella, 13 Jonas Baur, 14 Klassenlehrerin Britta Scholze, 15 Teodora Pantelic, 16 Beatrice Kaukenaite, 17 Chiara Ninni, 18 Paula Mussio, 19 Matyas Szilagyi, 20 Katja Ayleen Ilijana Anderegg.

Klasse 6d

1 Ella Carniello, 2 Sophie Gmür, 3 Meo Di Marco, 4 Nadine Lutz, 5 Sophie Hässig, 6 Joy Santoro, 7 Zara Piperdy, 8 Ornela Murto, 9 Alexandra Spasojevic, 10 Ayana Albrecht, 11 Noémie Bähler, 12 Alessia Guadagnino, 13 Alessia Esposito, 14 Sofia Hoffmann, 15 Matteo Carulli, 16 Marla Lena Ott, 17 Tsenguun Bayarsaikhan, 18 Liam Tran, 19 Niame Eberle.
Nicht auf dem Bild: Lorena Caterina & Klassenlehrer Luca Turi.

Klasse 6e

1 Nethanja Blaser, 2 Sophia Weber, 3 Andela Milanovic, 4 Beatriz Costa Correia, 5 Diya Mundiyani, 6 Elif Cetin, 7 Adrian Hickel, 8 Anisha Ramona Colat, 9 Celia Masanga, 10 Maxima Mäschli, 11 Saranjan Devanantham, 12 Jasmin Mathur, 13 Klassenlehrer Dominik Steiner, 14 Antonio Donatucci, 15 Anesa Krasniqi, 16 Léa Rohrer, 17 Mia Egger, 18 Lily Sunda, 19 Isabelle Wegmüller, 20 Pauline Himstedt, 21 Sarah Popinavra, 22 Nerina Hauri, 23 Michelle Rolle, 24 Lynn Coray, 25 Tamara Zimmerli.
Nicht auf dem Bild: Eliane Andrist, Aurelia Guyer.

Klasse 6g

1 Klassenlehrer Manuel Bischof, 2 Dario Baltensperger, 3 Julia Monticelli, 4 Lukas Lehner, 5 Santiago Andri Alig, 6 Hüseyin Eren Aciktepe, 7 Ken Chanh, 8 Ruben Heinzmann, 9 András Porcsin, 10 Virginia Ludwig, 11 Bastian Louis Bölter, 12 Samuel Jaschko, 13 Leonard Gollhardt, 14 Giada De Filippo, 15 Mattia Cauterucci, 16 Milán Feigl, 17 Trisha Jain, 18 Mohammad Daniel Arianfar, 19 Lenny Schmid, 20 Madhavi Sharma, 21 Julian Hägi.
Nicht auf dem Bild: Elnaz Ahmadi, Arian Ahmetaj.

Klasse 6h

1 Marius Werder, 2 Klassenlehrer Kaspar Schwarzenbach, 3 Vedang Karan, 4 Thivjan Thirugnaneswaramoorthy, 5 Shubham Jayant, 6 Rahel Rietmann, 7 Lorin Pisà, 8 Elias Stäheli, 9 Lara Ortmann, 10 Levi Hiltbrunner, 11 Micha Grünenwald, 12 Philip Germann, 13 Roberto Berger, 14 Marco Weideli, 15 Jowan Haj-Yahya, 16 Isha Nair, 17 Catrina Stadler, 18 Ruchitha M. W. De Pinto, 19 Aleksandra Divac, 20 Emina Salihodzic, 21 Elias Schrag, 22 Laurin Luginbühl, 23 Sujith Thayaparan.

Klasse 6i

1 Kacper Bloch, 2 Derrick Chung, 3 Alain Fitzli, 4 Saskia Rodriguez Gonzalez, 5 Nelio Härtner, 6 Lina Tirinzoni, 7 Alexander Rieser, 8 Andri Brandao, 9 Matthias Wickihalder, 10 David Sorbara, 11 Felix Bamert, 12 Sebastian Rothe, 13 Naveen Gnanavasan, 14 Thamilsasena Vijayakumar, 15 Maren Andreoli, 16 Kai Stucki, 17 Ana Laura De Azevedo Vaz Guedes, 18 Harineha Sivasakthivel, 19 Jenuhrwin Jeyaranjan.
Nicht auf dem Bild: Klassenlehrerin Marianne Rosatzin, Luka Simonovic.

Klasse 6j

1 Timon Gschwind, 2 Stavros Nikou, 3 Lino Bürki, 4 Saverio Fleischmann, 5 Fabio Agazio Manoiero, 6 Julia Stucki, 7 Nick Saxer, 8 Noël Maryanto Shaweltan, 9 Luis Sidler, 10 Nina Schmid, 11 Marc Jaquier, 12 Noah Keller, 13 Klassenlehrerin Barbara Gilliéron Abreu Castiñeira, 14 Fabienne Stutz, 15 Aylin Te, 16 Selma Acet, 17 Clara Baïche, 18 Andrin Minocchieri, 19 Olivia Rusconi, 20 Magor Senesi.

Klasse 6k

1 Emil Staufer, 2 Vishaan Obrecht, 3 Klassenlehrer Christof Huber, 4 Cédric Zimmermann, 5 Jason Siegrist, 6 Mohammad Yosof Ghouse, 7 June Van den Broek, 8 Marius Auer, 9 Mia Compagnoni, 10 Melvin Bettschen, 11 Siri Moser, 12 Abd Rahym Mezghiche, 13 Leon Hänni, 14 Yasmine Katamesh, 15 Matilda Zeise-Gött, 16 Luca Gemma, 17 Clivia Brogle, 18 Maelle Rogenmoser, 19 Rabea Reinhard, 20 Maurin Graf.
Nicht auf dem Bild: Lena Atzenweiler, Sophia Berglas, Olivier Suter.

Klasse 6m

1 Paul Synal, 2 Rebecca Furrer, 3 Ella Sofia Thobaben, 4 Lucy Sutter, 5 Noemi Peier, 6 Tara Kernland, 7 Aileen Tracy Kaiser, 8 Fabrice Giger, 9 Sarah Weibel, 10 Luiz Gustavo Dingler, 11 Sophie Buchmann, 12 Klassenlehrerin Nele Fischer, 13 Lianel Denzler, 14 Anna Nemeth, 15 Jil Grabner, 16 Tamara Müller, 17 Leana Drinovac.

Rückblicke

Projektorientiertes Lernen

In 18 verschiedenen Projekten setzten sich die 4. Klassen im Rahmen des projektorientierten Lernens (kurz poL) im Frühlingssemester 2026 in klassendurchmischten Gruppen unter der Betreuung von Lehrerinnen und Lehrern mit den folgenden Themen auseinander:

Akzente 2025/26

August 2025
September 2025
Oktober 2025
November 2025
Dezember 2025
Januar 2026
Februar 2026
März 2026
April 2026
Mai 2026
Juni 2026
Juli 2026

Schulkommission

Nachrichten aus der SK

Beat Verhein, Präsident

Das kürzlich zu Ende gegangene Schuljahr brachte für die Schulkommission (SK) noch nie dagewesene Veränderungen. Im Frühsommer segnete der Kantonsrat die Änderungen des Mittelschulgesetzes ab. Das Projekt «Governance» war den Schulkommissionen erstmals 2018 vorgestellt worden. Grundtenor war die Schaffung attraktiver Arbeitsbedingungen für die Schulleitungen. Damit einher gingen jedoch tiefgreifende Veränderungen, insbesondere der Rollen von Schulkommissionen und Konventen.

Die SK sollte zwar oberstes Organ der Schule bleiben, entscheidende Kompetenzen jedoch an Schulleitungen und teils ans Mittelschulamt abtreten. Schon damals ging ein Aufschrei durch die Reihen der SK-Präsidien: Die Schulkommissionen würden marginalisiert; dann könne man sie ehrlicherweise gleich ganz abschaffen. Die Rückmeldungen fielen vernichtend aus.

Nach einem längeren politischen Prozess hiess der Kantonsrat schliesslich den regierungsrätlichen Entwurf gut. Was bedeutet das für die SK? Sie bleibt oberstes Organ der Schule, verliert aber sämtliche bisherigen Entscheidungskompetenzen – mit Ausnahme der Bewilligung des Leitbildes. Bei Anstellungen und Mitarbeiterbeurteilungen wirkt sie lediglich mit; entschieden wird durch Schulleitung und Mittelschulamt. Auch Erwahrungen der Maturitätsprüfungen, Disziplinarfälle und die Rolle als Rekursinstanz entfallen. So wird die SK zu einem «Sounding Board» ohne wirklichen Einfluss. Die Reduktion der Aufgaben wird wohl auch personelle Auswirkungen haben. Mit Fug und Recht lässt sich acht Jahre nach Projektstart fragen: Warum schafft man die SK nicht gleich ganz ab? Offen ist auch der Zeitpunkt der definitiven Einführung, man hört Zahlen von 2027 bis 2032…

Lubor Borsig musste die SK altersbedingt per Ende 2025/26 verlassen. Als ausgewiesener Fachmann, besonders für Naturwissenschaften, wirkte er in zahlreichen Anstellungsverfahren und Mitarbeiterbeurteilungen mit. Mit ihm verlor die SK auch ihren letzten Hochschulvertreter. Sein Ersatz gelang trotz vielseitiger Bemühungen nicht. Für seinen langjährigen Einsatz zum Wohle der ganzen «Kanti Bülach» danke ich ihm im Namen der SK und der Schulleitung herzlich.

Beat Verhein, Präsident

Die Schulkommission 2025/26

Das neue Mitglied der Schulkommission

Saskia Girsberger
ausgebildete Schulleiterin und Primarlehrperson

Rückblicke

Mehrtägige Exkursionen und Projektwochen

Lehrpersonen 2025/2026

Anstellungen

José Abreu
Physik, MLP mbA

Dimitri Amstein
Wirtschaft & Recht, MLP

Clara Belke
Sport, MLP

Bruno Brünner
Wirtschaft & Recht, MLP mbA

Nicole Bruggmann
Deutsch, MLP

Leila Elmer
IU Sologesang, MLP

Alois Harb
Pädagogik & Psychologie, MLP

Nina Gantner
Wirtschaft & Recht, MLP mbA

Anja Leu
Englisch, MLP

Michaela Lischer
Deutsch, MLP mbA

Rahel Pailer
IU Sologesang, MLP

Die quer über das Magazin verteilten bunten Punkte sind Ausschnitte aus Malereien der Klasse 5c.

Verabschiedungen

Abschied von der KZU

Der diesjährige Sommerausflug der Lehrpersonen führte auf die Juckerfarm am Pfäffikersee. In idyllischer Umgebung verabschiedete die KZU drei langjährige und prägende Lehrerinnen. Marianne Weber wurde bereits am Ende des Herbsemesters verabschiedet.

Eva Heine Egli
Psychologin

Marianne Rosatzin
Geschichtslehrerin

Britta Scholze
Deutschlehrerin

Andrea Senning
Physiklehrerin

Marianne Weber
BG-Lehrerin

Ausblicke

Studienfachbazar

Hätte sich Carlotta ohne Yanns Zutun wohl definitiv für das Studium der Rechnergestützten Wissenschaften entschieden? Ob Dario noch lange zwischen Biologie und Chemie gezögert hätte, wäre Mauro nicht mit Anschauungsobjekten und Enthusiasmus bewaffnet als angehender Biologe überzeugend aufgetreten? Soll man nach der Matura doch wie Luisa eine Lehre als Mediamatikerin in Angriff nehmen? Und Elin? Sie schrieb sich für Maschinenbau ein, nachdem sie Urs einen Tag an die ETHZ begleiten durfte.

Mitte November findet an der KZU jeweils der beliebte Studien- und Berufswahlanlass statt. Unsere Ehemaligen teilen ihre Erfahrungen und wertvollen Tipps an der Schnittstelle Gymnasium/höhere Ausbildungsstätten in einem bunten Studienfachbazar mit unseren 5. und 6. Klässler:innen. Die Mensa füllt sich dabei mit Vertreter:innen verschiedenster Hochschulen – UZH, ETHZ, HSG, Uni Bern, Université de Genève, ZHAW, PHZH, ZHdK um die wichtigsten zu nennen – und unsere Alumnae und Alumni berichten über Freuden und Leiden des Studieneinstiegs, erklären Stundenpläne, beschreiben Prüfungserfahrungen, nennen Student:innen-Partys und empfehlen Vereine, geben Ratschläge für ein Zwischenjahr, für den idealen Nebenjob oder eine erfolgreiche Wohnungssuche.

Letztes Jahr durften wir über 40 Ehemalige empfangen und nach dem anregenden Austausch anlässlich eines kleinen Apéros dankend mit ihnen anstossen. Der diesjährige Anlass findet am 13. November statt, wobei wir unsere Alumnae und Alumni anfangs Oktober kontaktieren werden. Weitere Erfolgsgeschichten garantiert!

B. Gilliéron & C. Gruber

Agenda

Impressum

Informationsmagazin der Kantonsschule Zürcher Unterland
Kantonsschulstrasse 23, 8180 Bülach
044 872 31 31 – magazin@kzu.ch
Erscheint drei Mal im Jahr. Nummer 61 (Chronik 2025/26)
Nächste Ausgabe Januar 2027, Einsendeschluss 12. Dezember 2026
Auflage 1950 Exemplare
Redaktion: Claudia Knecht (kn), Roland Lüthi (ral), Martin Meier (mm), Robert Richter (ri)
Bildredaktion: Jost Rinderknecht (rk)
Gestaltung: Feurer Network AG
Lektorat: Markus Weber
Druck: bm druck ag, 8185 Winkel

«Im Rampenlicht»

Gedanken zum Elternbesuchstag

Wenn Elternbesuchstag ist, wie letzten Dienstag, dann erkennt man das unter anderem auch daran, dass die Fahnenstangen beim Eingang auf der Seite der Kantonsschulstrasse (wir haben eine eigene Strasse!) voll beflaggt sind. Wenn man dann am Fussgängerstreifen bei der Bushaltestelle «Kantonsschule» (wir haben eine eigene Bushaltestelle) anhält, um die Schüler_innen passieren zu lassen, dann erkennt man nichts Aussergewöhnliches. Man steht gleich lang wie an anderen Tagen, wenn man die Anfahrt schlecht getimt hat, man staunt, wie immer in solchen Momenten, wie so viele Menschen in einem einzigen Postauto Platz fanden, man schaut vielleicht in den Himmel und sieht ein Flugzeug (wir haben einen eigenen internationalen Flugplatz) – und eben, dabei schweift der Blick zu den Fahnen und man wird sich gewahr, dass Besuchstag ist.

Dann denkt man zurück an vergangene Besuchstage, mit zum Teil Kanti-legendär gewordenen Geschichten. Da war der Vater, der in der Mathematikstunde eines Kollegen die ersten zwanzig Minuten damit verbrachte, mit dem Rücken zum Unterrichtsgeschehen aus dem Fenster zu schauen, sich dann unvermittelt umdrehte und lauthals fragte, warum diese Gleichung nicht anders gelöst werde. Kritik an Inhalten bleibt mir selbst in Erinnerung: Als Junglehrer wollte ich mich vom Besuchstag unbeeindruckt zeigen und hielt am Semesterplan fest, auch wenn just an diesem Tag eine Vokabular-Einheit zum menschlichen Körper anstand. Ich liess nichts weg, was mir am Schluss der Stunde eine stirnrunzelnde Mutter vor dem Lehrerpult bescherte: «Bei Ihnen lernt man aber komische Wörtli.»

Wir freuen uns immer, wenn Eltern durch ihre Anwesenheit Interesse am Geschehen bei uns bekunden. Natürlich ist man am Morgen etwas angespannter als sonst, gleichzeitig ist es ja durchaus auch schön, einmal vor etwas anderem Publikum zu zeigen, was man macht. Von den allermeisten Besuchenden erfahren wir viel Goodwill, es gehört zum Leben, dass einem eher die anderen Fälle in Erinnerung bleiben. Da wäre der Partner einer älteren Schülerin zu erwähnen, der vor Jahren die ganze Lektion damit verbrachte, seiner Freundin das Händchen zu halten – und ich traute mich nicht, zu sagen, dass mich das störte. Oder, auch das ist lange her, der Vater, der am Schluss der Lektion bei einem Kollegen vor die ganze Klasse trat und diese zusammenstauchte: «Jetzt habt ihr so einen tollen Lehrer und ihr sitzt alle da wie die Mehlsäcke!» Sein Sohn wird es ihm ebenso wenig gedankt haben, wie der Sohn des Vaters, der bei mir im Unterricht einmal mit grösster Selbstverständlichkeit nicht auf einem Besucherstuhl am Fenster Platz nahm, sondern sich neben sein Kind setzte und diesem während der Lektion die Lösungen vorsagte.

Immer wieder schön ist, dass einem am Besuchstag nicht nur Eltern besuchen, sondern auch ehemalige Schüler_innen. Man ist dankbar, dass offenbar nicht alles schlecht war im Unterricht, man freut sich über den Schwatz nach der Stunde, wo man herausfindet, was aus den ehemaligen Schützlingen geworden ist und man hört dann vielleicht auch: «Ah, machst du das immer noch?» Das kann dann Anlass sein, über die Bücher zu gehen, es kann aber auch eine Bestärkung sein, Dinge, die offensichtlich haften bleiben, noch nicht gleich über Bord zu werfen. In jedem Fall sind, gerade positive, Rückmeldungen willkommen. Manchmal ist der Schwatz mit jeder Besucherin nach der Stunde beim besten Willen nicht möglich. Ganz sicher galt das für die Kollegin, deren Unterricht sich so grosser Beliebtheit erfreut, dass sie einmal an einem Besuchstag doppelt so viele Gäste wie Schüler_innen im Zimmer vorfand. Ich stelle mir vor, dass da normaler Unterricht kaum mehr möglich war – als «Rückmeldung mit den Füssen» war das aber sicher sehr schön.

Den nächsten Wochenbrief gibt es im Oktober.

Eine gute Woche und dann schöne Ferien wünscht
Roland Lüthi, Rektor

Hebed Sorg – die Politik macht Herbstferien!

Die grosse Politdebatte am Freitag in der Aula setzte der Politikwoche 26 die Krone auf.

Die Krone aufsetzen mag unpassend sein – immerhin ist die Politikwoche mit den Maturand*innen DIE Demokratietrainingswoche der KZU. Jovan Stajcic, 6k, setzte in der parteipräsidialen «Elefantenrunde» unverhofft zum Schlusssatz an, nachdem er – von Parlamentspräsidentin und Bundeshausjournalistin in Personalunion Zoé Piguet, Geschichtslehrerin – in die Mange genommen worden war, weil seine konservative Partei mit der Aufhebung des Kernkraftverbotes vom KZU-Volk abgestraft worden war. Stajcic gemahnte die gegen 200 Anwesenden daran, der Demokratie nach Schweizer Art Sorge zu tragen – schliesslich würde nur gut ein Viertel der Menschheit in einer echten Demokratie zu Hause sein. Studienwochenleiterinnen Marion Baumann, Geschichte, und Franziska Tobler, Englisch, konnten dem nur beipflichten. Die Debatte war geschlagen – nach vier langen, aber aufregenden und argumentionsreichen Stunden waren alle definitiv herbstferienreif. Politik ist anstrengend – für alle, die es sich zumuten, sich zu exponieren (und es waren über 40, danke!). Wohl aber auch für die Hinterbänkler*innen… Weil Politik ja gewissermassen etwas ist, das man nicht alleine betreiben kann (ich korrigiere mich: demokratisch betriebene Politik) soll dies auch visuell mit Bildkompositionen untermauert werden. Alle Details zu den acht Abstimmumgsfragen finden sich in der 30-teiligen Fotostory. Viel Vergnügen!
Text, Fotos und Bildkompositionen: Jost Rinderknecht

«Die heutige Jugend»

Gedanken zu Gen Z und Gen Alpha

Wenn Sie das Emoji 👍 unter eine Nachricht, die Sie bekommen, setzen, was wollen Sie dann damit sagen? Ich meine mit dem Däumchen eigentlich zwei Dinge: «Ich habe das gelesen und ich bin grundsätzlich einverstanden.» Damit ist aber, so habe ich das nachgelesen, noch etwas Drittes gesagt: Ich bin älter als 31. Jüngere Generationen, die Generationen Z (Geburtsjahr ca. 1995 bis 2012) und Alpha (2013 bis 2024 geboren) meinen, wenn sie schon (bzw. noch) Nachrichten kommentieren, mit dem Däumchen eher, durchaus auch sarkastisch, etwas im Rahmen von «Oh wow, bist du da auch noch stolz drauf?» Auch Zeichen wie 😂, ❤, und 🙂 werden von verschiedenen Generationen nicht gleich verwendet. Natürlich ist nie eine ganze Generation in sich einheitlich, aber Trends innerhalb von Generationen sind doch so wichtig, dass es ganze Firmen gibt, die ihr Geld damit verdienen, zum Beispiel älteren Chef_innen zu erklären, wie sie am besten mit ihren jüngeren Angestellten umgehen. Der Chef einer solchen Firma sprach im Rahmen der KSGR (der Konferenz Schweizerischer Gymnasialrektorinnen und -rektoren) in Locarno zu uns. Yannick Blättler tat dies auf erfrischende Weise und viel von dem, was er sagte, war erhellend. Schon recht bald wurde aber klar, dass, um es richtig zu machen, einiges geändert werden müsste. Zum Beispiel wünschen Angehörige der Gen Z sich häufiges Feedback. Mitarbeitergespräche müssten weit häufiger als jährlich stattfinden (sie finden bei uns zum Teil dreijährlich statt), Reaktionen auf Leistungen hätten quasi instantan zu erfolgen. Hier begehrte zum ersten Mal ein Rektor auf. Er fragte den Sprecher, wie viele Angestellte er denn führe? Zehn, meinte dieser. «Sehen Sie, bei mir sind das 60!» erwiderte der Rektor. Der Redner liess sich davon nicht aus der Ruhe bringen, sondern konterte sofort (und tatsächlich auf Englisch): «Sounds like a system problem.» Tatsächlich gibt es Momente, wo wir sagen, etwas gehe nicht, nicht, weil wir die Veränderung nicht eigentlich begrüssen würden, sondern, weil die Umstände die Veränderung verhindern. In solchen Fällen ist es dann sicher richtig, zu prüfen, ob diese Umstände nicht angepasst werden können. (Und ob man tatsächlich nicht kann, oder einfach nicht will – aber das ist eine andere Geschichte.) Sofortiges und häufiges Feedback bekommen junge Leute übrigens zum Beispiel im Sportverein, wo, wenn nicht die Trainerin oder der Trainer, so doch der Sport selbst einem konstant und sehr direkt Feedback zur eigenen Leistung gibt. Von ihren Chefs erwarte die Gen Z ausserdem ein Dreieck aus Klarheit, Performance und Erholungsangeboten, hiess es weiter. Hier bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich verstanden habe, was damit gemeint ist, ich hoffe aber, dass, wer Performance verlangt, auch bereit ist, Performance zu liefern. Dass man klar sein soll, ist, nun, klar. Dass der Arbeitgeber die Erholungsangebote mitliefern soll, ist allerdings tatsächlich eine Veränderung gegenüber der Zeit, als zum Beispiel ich erste Arbeitsversuche auf Baustellen machte. (Gilt das auch für Baustellen? Es müsste wohl, auch dort ist die Gen Z ja als Arbeitskraft angekommen.) Die Klarheit wird übrigens auch bei dem, was eine Stelle bietet, gefordert. Man will klar wissen, was von einem erwartet wird. Die zwei weiteren Forderungen hier seien, dass Angebote instantan sein sollen (Ich nehme an, das heisst etwa: «Ich will es JETZT.») – und sie müssen auch flexibel sein (Ich lese: «Ich will Gestaltungsfreiheit.»). Spätestens jetzt fehlte allerdings mir dann etwas die Klarheit – wie soll ein Angebot gleichzeitig klar definiert und flexibel sein? Sowieso finde ich, zum Beispiel im Unterricht, aber auch im Umgang mit deutlich jüngeren Kolleg_innen, nicht, dass die Unterschiede zwischen den Generationen grösser sind als die verbindenden Elemente. Dennoch ist es interessant und wichtig, sich auch mit den Unterschieden auseinanderzusetzen, nur schon, um wissend entscheiden zu können, wo sich das System anpassen soll und wo eben die Menschen im System gefordert sind, sich anzupassen. Ganz ohne die Fähigkeit und die Bereitschaft, manchmal auch einfach aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen, wird es wohl für jede Generation schwierig.

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

Artikel zum Thema finden sich zum Beispiel in den Online-Ausgaben der New York Times (24. August 2026) oder dem Wall Street Journal (9. August 2021). Beide Lektüren brauchen allerdings ein Abo.

«Ist Dabeisein alles?»

(Olympische) Gedanken zum Zürcher Mittelschulsporttag

163 KZU-Schüler_innen waren für Mittwoch vom Unterricht abgemeldet, weil sie entweder als Helfer oder als Athletinnen am Zürcher Mittelschulsporttag im Einsatz waren. An diesem Anlass im September messen sich Teams aller Zürcher Kantonsschulen in verschiedensten Sportarten von Leichtathletik bis Unihockey. Die austragenden Schulen übernehmen den ZMS, wie der Tag abgekürzt wird, jeweils für drei Jahre. 2026 war das dritte Jahr, in dem KZU und KSL (Kantonsschule Limmattal in Urdorf) organisierten. Die federführende austragende Schule (also wir) lädt über Mittag zum Apéro und zum Showblock ein. Auf der Homepage der KZU finden sich Jost Rinderknechts Artikel und seine Bilder zu den – teils höchst athletischen – Tanzdarbietungen während dieses Showblocks.

Über die letzten drei Jahre erlebten wir also hautnah, was es braucht, um einen so grossen, kantonsüberspannenden Anlass zu organisieren und durchzuführen. Thomas Umbricht, Fachvorstand Sport bei uns, und sein Gegenpart an der KSL haben dies jedes Jahr hervorragend gemeistert – und es stellten sich ihnen jedes Jahr zusätzliche Herausforderungen. Ich habe auch versucht, herauszufinden, wie gross die Chance ist, dass man an einem frühen Septembermittwoch im Kanton Zürich in drei aufeinanderfolgenden Jahren jedes Mal einen Regentag erwischt. Sie ist nicht sehr gross, es ist aber so gekommen. Und bei uns an der KZU kam es noch schlimmer. Letztes Jahr brach kurz vor dem ZMS eine riesige Schlammlawine aus einem angrenzenden Acker über das Sportgelände, dieses Jahr galt es, nach dem Hagelsturm die Anlage so weit instandzustellen, dass der Sporttag stattfinden konnte. Einmal mehr gebührt an dieser Stelle unserem Hausdienst, insbesondere Drilon Hoxha und Filamenta Ajazaj, ein grosser Dank und ein grosses Lob.

Ich konnte nicht nur den Showblock mitverfolgen, sondern sah auch den 1500-Meter-Lauf der Männer und die Viermal-100-Meter-Staffel der Frauen auf der Tartanbahn der Kanti Bülach. Unsere beiden Jungs schlugen sich wacker, mussten sich aber den drei (!) Läufern von der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon geschlagen geben, die die ersten drei Ränge unter sich ausmachten. Sie liefen alle drei mit 30 Sekunden und mehr Vorsprung ins Ziel ein, eine eindrückliche Demonstration.

Sowieso hatte die KZU schon erfolgreichere ZMS – dieses Jahr war, was die Resultate angeht, eher ernüchternd. Immerhin stehen den vier letzten Plätzen zwei Silbermedaillen gegenüber und vor allem gilt es, den im Zusammenhang mit Niederlagen viel zitierten olympischen Gedanken zu wahren. Diesem bin ich etwas nachgegangen und bin dabei immer tiefer (quasi «profundius») in die Wikipedia eingetaucht. Ursprünglich hiess das Motto der (neuen) olympischen Spiele «citius, altius, fortius», also «schneller, höher, stärker». Das sind drei Komparative – da ging es also noch sehr klar darum, im Vergleich besser abzuschneiden als andere. Offenbar kam es schon früh (1908 in London) zu einem Streit zwischen der englischen und der amerikanischen Delegation, wer den 400-Meter-Lauf gewonnen hatte. Pierre de Coubertin, der Mann, der massgeblich hinter der Neubelebung der olympischen Spiele am Ende des 19. Jahrhunderts stand, schlichtete mit den Worten «Das Wichtige an den olympischen Spielen ist nicht zu siegen, sondern daran teilzunehmen; ebenso wie es im Leben unerlässlich ist, nicht zu besiegen, sondern sein Bestes zu geben.» Daraus entstand dann offenbar die Idee von «Hauptsache, man ist dabei» bzw. «Mitmachen ist wichtiger als gewinnen», die man heute meist meint, wenn man den olympischen Gedanken zitiert.

Es kann mir niemand erzählen, dass sich am ZMS sehr viele Sportler_innen auf den Platz begeben und vor allem denken «schön, dass ich dabei bin». Ich denke tatsächlich, dass, mindestens zu Beginn, jede und jeder einsteigt, um aufzusteigen, schneller zu laufen, genauer zu schiessen, höher zu springen als die Gegnerinnen oder Gegner. Dass es nicht allen gelingen kann, liegt in der Natur der Sache – die jungen Frauen von der Hohen Promenade in der Viermal-100-Meter-Staffel jedenfalls liessen ihren Gegnerinnen vom ersten Abschnitt an nicht den Hauch einer Chance, was beeindruckend war.

An einer Vorlesung über just die Generationen dieser Athlet_innen (Gen Z und Generation Alpha) lernte ich übrigens, dass aktive Sportler_innen direkte Vorzüge aus ihrer Tätigkeit – auch für das Berufsleben – ziehen; aber das ist eine andere Geschichte, vielleicht für einen nächsten Wochenbrief.

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

ZMS zum Dritten – Tanz (&) Sport vom Feinsten

Der Zürcher Mittelschulsporttag (ZMS) ging zum dritten und vorerst letzten Mal u.a. an der KZU über die grosse (Show-)Bühne. Ein bewegendes Ereignis.

Bereits 2024 und auch 2025 gastierte der Zürcher Mittelschulsporttag an der KZU. Wie es bei grossen Turnieren üblich ist, war auch dieser Anlass «grenzüberschreitend». Mit im Organisations- und Durchführungs«boot» waren die Kantonssschulen Limmattal und Wiedikon unter der Leitung von Thomas Umbricht (KZU) und Martin Schweizer (KSL). In über 10 Sportarten massen sich bei 19 Wettkämpfen insgesamt 196 Teams mit rund 1300 Schüler*innen. Für die Rangliste sei auf www.tlkz.ch verwiesen. Nun wird der sportliche Kelch nach dreimaliger Durchführung weitergereicht. Die schönsten gymnasialen Sportanlagen des Kantons müssen also wieder etwas warten, bis sie an der Reihe sind.…

Einer der Höhepunkte ist jeweils die mittägliche Tanzshow, bei der Gruppen aus einigen Kantonsschulen darauf aufmerksam machen, dass Tanzen durchaus auch Hochleistungssport ist – und zwar in ganz und gar kreativer Manier. Die «ZMS Dance Show», organisiert von Clara Belke und Tamara Früh (KZU) und sehr sympathisch moderiert von Rona Zumstein (4e) und Shruthi Rajesh (5j), wurde vom Publikum frenetisch beklatscht. Der Anlass beweist, dass sich Mittelschüler*innen des Kantons Zürich auf allen Plätzen und Bühnen (gut!) bewegen können. Besten Dank allen, welche diesen Grossanlass organisatorisch, fachlich und pädagogisch gestemmt haben.

Text und Bild: Jost Rinderknecht
Alle Bilder der ZMS Dance Show sind einsehbar unter folgenden Link (nur mit KZU-Account zugänglich).

«Die Neuen sind da»

Gedanken zu den 1. und 3. Klassen

Am Freitag war Reisetag, die neuen 1. und 3. Klassen fuhren auf die eintägige Schulreise – zum Glück war diese nicht auf den letzten Freitag angesetzt. Der hinterliess Einiges an Schäden und es gab auch Blessuren, die aber dem Vernehmen nach alle am Heilen sind. Beim Gang über den Schulhof staune ich, wie viele unserer runden Kunststofflampen das Bombardement überhaupt überlebt haben und die Kastanie schaut eigentlich auch wieder ganz gut aus. Nur, wenn man die Augen den Stamm hochwandern lässt, sieht man, wo der grosse Ast abgebrochen ist. Der Baumwerker war da und hat uns versichert, dass die Kastanie stehen bleiben darf. Ein ganz grosser Dank gebührt dem Hausdienst, der in den letzten Tagen grosse Mengen an Biomasse zu beseitigen hatte!

Die Neuen sind da! Ich nehme dies gerne zum Anlass mir ein paar Gedanken zu den 182 Kindern in den sieben neuen 1. Klassen und den 221 Jugendlichen in den neuen 3. Klassen bei uns zu machen. Dazu habe ich mir je eine Excel-Tabelle geben lassen, anhand derer ich etwas Statistik betrieb.

Schon die Unterscheidung «Kinder» und «Jugendliche» steht meinen Erkenntnissen zufolge auf wackligen Beinen, ist doch die jüngste 3.-Klässlerin ist gerade einmal zwei Tage älter als der älteste 1.-Klässler. Der Altersunterschied bei den 1. Klassen erstreckt sich über überraschende zwei Jahre und drei Tage, bei den 3. Klassen sind das eher zu erwartende drei Jahre und vier Monate – die kommen ja aus der 2. oder 3. Sekundarschule, aus dem Untergymnasium oder auch einmal aus dem 10. Schuljahr.

Die Untergymeler_innen reisen täglich aus 38 verschiedenen Gemeinden an, die Kurzgymnasiast_innen aus deren 41. Im Untergymi wohne 17% in Bülach, im Kurzgymi sind das 18%, am zweitmeisten vertreten ist in beiden Formaten Kloten, ab da ändert sich die Situation rasch: Embrach holt Bronze bei den Kurzgymasiast_innen, im Langgymi steht es nur noch auf dem 11. Rang. Interessant fand ich, dass im Kurzgymnasium doch 12 Jugendliche die einzigen aus ihrer Gemeinde sind – im Langgymnasium trifft das nur auf 7 zu.

Die Tabelle gibt noch mehr her, aber da kommt man dann schnell einmal in datenschutztechnisch heikle Gewässer. Bei den 1. Klassen gibt es einen häufigsten Namen, aber weil den nur drei tragen, muss er hier ungenannt bleiben. So viel sei verraten: Es ist, anders als bei den 3. Klassen, ein Mädchenname. Der häufigste Name im Kurzgymnasium bringt es auf vier Gleichnamige.

Die Zahlen sind schön und gut, viel schöner ist es, die neuen KZUler_innen leibhaftig auf dem Gelände zu haben. Am Mittwoch führte ein Klassenlehrer mit seiner 1. Klasse den Kennenlern-Postenlauf über das Schulgelände durch. Es hat etwas Erfrischendes, wenn zwei 1.-Klässlerinnen im gestreckten Galopp über den Schulhof auf einen zu rennen, um zu fragen, ob man wisse, wie die Gärtnerin heisst. (Ja, das weiss man.) Und am Donnerstag stand die 3j vor meiner Bürotür und fragte, ob ich ein Gipfeli haben möchte, sie hätten noch zwei übrig vom gemeinsamen Frühstück. Sehr nett, danke, 3j. Wie heisst es auf Englisch? You can only make a first impression once. Mein erster Eindruck von der 3j, wie von den anderen Neuen, die ich schon kennenlernen durfte, ist jedenfalls ein guter.

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

Der Kanti-OL übrigens, eine feste Grösse im Sport-Schulkalender, findet diesen Herbst nicht statt: Es ist nach Hitzesommer und Hagelsturm zu gefährlich, im Wald zu trainieren.

«Ungerades»

Gedanken zum Bauen

Eilmeldung: Dieser Wochenbrief wurde vor dem Unwetter vom Freitag, 28. August, geschrieben. Unser Kenntnisstand ist, dass alle wohlauf sind, was das Wichtigste ist. Die Schäden auf dem Schulgebäude und am Schulhaus selbst müssen nun zuerst erhoben werden, bevor wir wissen, was an Folgen auf uns zukommt. Der letzte Abschnitt dieses Wochenbriefes mag allerdings dann nicht mehr als ein frommer Wunsch gewesen sein…

Bei uns zuhause ist kaum eine sanitäre Installation grade montiert worden. Beim Umbau damals war dafür ein sympathischer junger Sanitär mit starkem Berner Dialekt zuständig, der ein sehr entspanntes Verhältnis zu Genauigkeit und handwerklichem Stolz hatte. Ich ärgere mich bei einzelnen Teilen noch heute. In einem früheren Wochenbrief hatte ich es schon einmal davon, dass man sich nur dann darüber ärgern muss, wie die Dinge herauskommen, wenn man einen Einfluss auf sie hätte nehmen können (oder sollen). Das ist hier gegeben, ich hätte einfach mehr zugegen sein müssen, mehr auf die freundlichen Finger schauen, mehr insistieren, dass eine grade aufgehängte Duschkopfführung eher dem Standard entspricht als eine leicht schräge, zum Beispiel. Was den Umbau bzw. die Vordachrenovation und die Instandsetzung der Herrentoiletten an der Schule betrifft, haben wir wenig Einfluss. Vergabe und Bauleitung sind nicht in unserer Hand, das ist im Kanton anders geregelt. Dafür sind wir ja auch sehr dankbar, zumal ein Englisch-, Sport- oder Geografiestudium frei von Modulen zum Bau-Wesen abläuft. Der Nachteil ist, dass wir nun ein Stück weit anderen ausgeliefert sind – und so stelle ich fest, dass man sich mitunter eben doch ärgern kann, auch wenn man selbst keinen direkten Einfluss nehmen kann. Wir hatten gehofft, nach den Sommerferien würden nur noch Arbeiten anstehen, die keinen Lärm verursachen. Im Moment muss aber aufgrund von Verzögerungen immer noch gebohrt, geschliffen, geflext werden – und der Flammenwerfer «Fauchi» kommt auch auf genügend Dezibel, dass man ihn auch durch geschlossene Fenster gut hört. Zu den Verzögerungen kam es, weil der Regen, auf den alle so lange gehofft hatten, am Freitag der ersten Schulwoche offenbar in überraschendem Übermass kam und darum so viel Wasser den Weg in den Physik- und den Geografietrakt fand, dass es aus den Lampen tropfte (bzw. floss) und mit Eimern aufgegangen werden musste. In diesem Zusammenhang sind Gespräche im Gang (oder am Sommerfest für die Neuen am Donnerstag) interessant, weil sie zeigen, dass praktisch alle, die je mit einem Bau oder Umbau zu tun hatten, eine Geschichte von einer schrägen Duschstange oder einer anderen verkehrt montierten Halterung parat haben. Wie heisst das alte Sprichwort, das, wenn nicht vom Bau, so doch aus der Zimmermannszunft kommt? «Wo man hobelt, fliegen Späne.»

Schön wäre, man könnte etwas gelassener damit umgehen, wenn einem wieder einmal so ein Span in die Quere kommt. Dies ist aber angesichts von Termindruck, Menge der Aufgaben, Komplexität des Anstehenden oder manchmal auch einfach mangelnder Lust, wieder einen gemachten Plan zu ändern, nicht immer sehr einfach. Hierzu suchte ich auch nach Sprichwörtern und Redewendungen und fand neben dem immer wieder schönen deutschen «Humor ist, wenn man trotzdem lacht.» auch die gelungene, Oscar Wilde (wahrscheinlich fälschlich) zugeschriebene, Sentenz «Life is too important to be taken seriously.» – «Das Leben ist zu wichtig, um ernst genommen zu werden.» Dem Vernehmen nach soll ab übernächsten Montag aber wirklich Schluss sein mit Emissionen akustischer und olfaktorischer (Fauchi hat auch Mundgeruch!) Art. Das ist auch wichtig, denn dann startet bei uns ja auch wieder die Prüfungssaison, die gerade für Probezeitklassen zu genügend Stress führt. Da braucht es nicht noch zusätzliches Kreischen, Flexen, Fauchen. Dies konnten wir der Bauleitung auch in aller Deutlichkeit sagen und wir sind hoffnungsvoll, dass es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt, die dann wieder Lärm zu Unzeiten nach sich ziehen.

Eine ruhige Woche wünscht (sich und Ihnen)
Roland Lüthi, Rektor

«Back to the Future»

Gedanken zu vor unserer Zeit

Geplant war ein Wochenbrief zur Begrüssung der Neuen (und natürlich auch der Alteingesessenen) im neuen Schuljahr 2026/27, logisch. Herzlich willkommen, bzw. herzlich willkommen zurück auf der sympathischen Baustelle am Sechtbach, wie man die Kanti zurzeit aufgrund der Vordach-Instandsetzung auch nennen könnte. (Als der Regen am Freitag endlich kam, war man da offenbar noch nicht ganz soweit wie erhofft – Kübel im Physiktrakt halfen, das Gröbste aufzufangen… aber das ist eine andere Geschichte.) Willkommen geheissen wurde ja auch im Newsletter zum Schulstart und so erlaube ich mir, aufgrund einer ausserordentlichen Begebenheit, etwas abzuschweifen in die Vergangenheit.

Zum Ausklang der Ferien war ich am letzten Feriensonntag an einem Fussballspiel, als mein Handy pingte. Ich klaubte es aus der tiefen Tasche (wo ich es zum Üben auf die neuen Regeln an der Schule schon einmal verstaut hatte – auch eine andere Geschichte) und schaute nach: Ein Schulkommissär hatte mir eine alte Schulfotografie geschickt und gefragt, ob ich ihm sagen könne, wann die aufgenommen worden sei. Ich war sofort sehr abgelenkt vom Fussballspiel. Ich schrieb nach etwas Studium zurück, dass das vor meiner Zeit gewesen sei, aber ich schätzte 1986. «Nicht schlecht,» kam zurück, «1983».

Am Montag machten uns die von uns, die schon länger an der Kanti sind, gemeinsam über das Bild her. Mittlerweile wissen wir, dass es die offizielle Schulfotografie von 1984 ist und wir konnten schon 48 Lehrerinnen, Lehrer und Angestellte identifizieren. Sie stehen meist in Trauben, Mitte links finden sich viele Sportlehrer (und eine Sportlehrerin) und auch am rechten Rand auf und vor der Treppe sind viele Lehrpersonen. Vorne rechts steht der stolze Chef des Ganzen, Peter Wolf; sein Nachfolger, Felix Angst ist bei den schon erwähnten Sportlehrern zu finden und dessen Nachfolger wiederum, Jakob Hauser, ist ziemlich genau in der Mitte am rechten Rand.

Bei den Schüler_innen ist das Benennen deutlich schwieriger. Hier kann man sich aber an der Mode der 80er erfreuen. Es ist ja anzunehmen, dass auch jene Fotografie lange im Voraus geplant wurde und so ist es wahrscheinlich, dass die Kleider auf dem Bild sorgfältig ausgewählt wurden, vom muskelbetonenden ärmellosen weissen oder schwarzen T-Shirt bis zum coolen Leder-Gilet (Duran Duran lassen grüssen). Auch 80er: Etwas Rebellion musste sein (der Stinkefinger in der Mitte). Ja, selbst ein Lehrer ist zu finden, der ein Victory-Zeichen in die Kamera streckt.

Aus heutiger Sicht fällt noch mehr auf. Die Skulptur «Durchschritt» von Annemie Fontana, die mittlerweile das Logo der Kanti ist, war, wie die Beton-Quadrate vor dem Aula-Mensa-Trakt (aka «Klettergerüst») und die grossen Stufen, offenbar einmal weiss. (Das passt zu einem neuen Namen, den ich diese Woche für unsere Skulptur hörte: «Der grosse Zahn» ergänzt Übernamen wie «Die Kugel» und «Die IKEA-Schraube».) Besonders augenfällig ist aber der Umfang des Baumstamms unserer Rosskastanie! Diese hat mittlerweile fast schon die Höhe der Dachkante des Hauptgebäudes erreicht, ist auf dem Bild aber noch ein Bäumlein, das kaum Schatten wirft.

In seinem Teil der Willkommensfeier am Montag sprach Prorektor Patrick Wehrli zum Thema «Wachsen». Er hat recht mit dem, was er sagte: Auch unsere neuen Schüler_innen werden in den nächsten vier oder sechs Jahren bei uns nicht nur in die Höhe und die Breite wachsen. Mit dem körperlichen Wachstum wächst auch der Erfahrungs- und Erinnerungsschatz. Derjenige der KZU ist, auch wenn sie eine der jüngeren Zürcher Kantis ist mittlerweile riesig. Man stelle sich vor, man könnte die Geschichten all dieser Leute auf dem Bild erfahren!

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

«Mit den Augen der andern»

Gedanken zu Perspektiven

Am Wochenende beherbergten wir wie alle Jahre Gäste aus Manchester und Umgebung. Im Rahmen unseres Immersionsprogramms laden wir jeden Sommer pro Schule zwei Leute ein – es ist ein Dankeschön für die Arbeit, die an den sechs Partnerschulen, übrigens unentgeltlich, für unsere Immersionsklassen geleistet wird. Für uns, die Schweizer Organisatoren, ergibt sich dabei auch immer die Gelegenheit, unser Land ein bisschen durch die Augen der anderen zu sehen.

Ich berichtete an dieser Stelle letztes Jahr von unserem Ausflug in die zweitgrösste Stadt des Kantons und den Unterschieden und Parallelen zwischen den beiden Industriestädten Winterthur und Manchester. Vorletztes Jahr waren wir mit den Gästen auf einer Führung in Zürich, in einem Stadtteil unweit des Stadions Letzigrund. Eine nicht an Sport interessierte Besucherin fragte mich irgendwann, was denn die drei Buchstaben C, F und Z (in anderer Reihenfolge), die auf zahlreichen Abziehbildchen prangten, bedeuteten! Mit den Augen aus einer anderen Stadt war eben nicht klar, was hier wohl auch eingefleischten Nicht-Fans offensichtlich ist.

Dieses Jahr picknickten wir am See in Rapperswil, als eine Besucherin, die zum ersten Mal in der Schweiz ist, mir erzählte, im Flugzeug habe sie etwas gesehen, was sie so nicht kenne. Ich war gespannt. Sie berichtete, da hätten Schweizer Passagiere neben ihr eine Gurke gegessen, wie man einen Apfel esse. Also einfach so, ungeschält, ungeschnitten, Biss für Biss. Ich schmunzelte etwas und sagte ja, das komme hier vor. (Ich erklärte ihr dann auch das Konzept von Aromat, drang aber, wie mir schien, nicht durch.)

Letzte Woche schaltete eine der grossen Tageszeitungen einen Artikel, in dem Redaktorinnen und Redaktoren, die ursprünglich aus Deutschland kamen, schilderten, was sie auch nach Jahren des Lebens in der Schweiz noch anders (oder: schräg) finden. (Ein sprachliches Beispiel, das nicht im Artikel vorkam, erlebte ich vor vielen Jahren in Deutschland. Wir waren zu Besuch in einem deutschen Seminarhotel. Der Hoteldirektor macht mit uns Schweizer_innen einen kleinen Scherz. Mitten in seiner Begrüssungsrede tat er so, als würde er weggehen, blieb aber in der grossen Eingangstür des Hotels stehen. «Wissen, Sie, was ich grade mache?», fragte er uns. Wir wussten es nicht. «Ich gehe in den Ausgang.» Haha.)

Tatsächlich gibt es Dinge, die man für völlig normal hält, bei denen es den Blick von aussen braucht, um «es anders zu sehen». Vor Jahren war ich zum Beispiel einmal mit einem Gast aus Südafrika in einem Geschäft eines Schweizer Grossisten, nun, Mittel-Grossisten, um genau zu sein. Also Migros. Keith, der Freund, wollte wissen, wie Einkaufen in der Schweiz geht und so kam er eben mit. Wir hatten es nur bis zur Gemüseabteilung geschafft, als er in schallendes Gelächter ausbrach. Ich war gerade daran, ein paar Bananen auf die Waage zu legen. Als er sich erholt hatte, fragte er, ob das unser Ernst sei, dass man selber wiegt und die Nummer eingibt – bei ihnen würde ein solches System zum sofortigen Ruin aller Läden führen. Der gleiche Gast fand, dass unsere temporäre Lösung, wenn Fahrspuren wegen Umbauten geändert werden müssen – diese orangen Streifen, die dann auf die Strasse geklebt werden – eine grossartige Idee sei. Ich hatte mir noch nie überlegt, dass man das anders – oder im Falle von Südafrika gar nicht – machen könnte.

In einer Welt die, wie man immer wieder liest und hört, immer gleicher werde, ist es gut, ein waches Auge auf die Unterschiede zu haben. Natürlich führen Teile der Globalisierung zu Einheitsbrei, aber auch in diesem gibt es manchmal Unterschiede: Die Unterschiede zwischen den Sandwiches einer weltweiten Marke für belegte Brote (Eselsbrücke: U-Bahn) unterscheiden sich zwar aufgrund von kulturellen oder religiösen Präferenzen (interessant, oder?), aber Design und Prozess sind schon sehr ähnlich (weniger interessant).

In den Ferien werden viele von uns, von Ihnen, liebe Leser_innen, diejenigen sein mit den anderen Augen. Ich wünsche Ihnen wache solche, auf dass Sie Unterschiede sehen. Sie sind der Pfeffer wider den Einheitsbrei! Der Wochenbrief ruht bis nach den Sommerferien – auch die Augen des Schreibers werden in den sieben Wochen bis zum nächsten Brief hoffentlich einiges anders sehen.

Einen schönen Sommer wünscht
Roland Lüthi, Rektor

p.s. Das Klimadiagramm im letzten Wochenbrief war jenes von Outjo, Namibia, wo es Sommer ist, wenn es bei uns (manchmal) schneit.