Die grosse Politdebatte am Freitag in der Aula setzte der Politikwoche 26 die Krone auf.
Die Krone aufsetzen mag unpassend sein – immerhin ist die Politikwoche mit den Maturand*innen DIE Demokratietrainingswoche der KZU. Jovan Stajcic, 6k, setzte in der parteipräsidialen «Elefantenrunde» unverhofft zum Schlusssatz an, nachdem er – von Parlamentspräsidentin und Bundeshausjournalistin in Personalunion Zoé Piguet, Geschichtslehrerin – in die Mange genommen worden war, weil seine konservative Partei mit der Aufhebung des Kernkraftverbotes vom KZU-Volk abgestraft worden war. Stajcic gemahnte die gegen 200 Anwesenden daran, der Demokratie nach Schweizer Art Sorge zu tragen – schliesslich würde nur gut ein Viertel der Menschheit in einer echten Demokratie zu Hause sein. Studienwochenleiterinnen Marion Baumann, Geschichte, und Franziska Tobler, Englisch, konnten dem nur beipflichten. Die Debatte war geschlagen – nach vier langen, aber aufregenden und argumentionsreichen Stunden waren alle definitiv herbstferienreif. Politik ist anstrengend – für alle, die es sich zumuten, sich zu exponieren (und es waren über 40, danke!). Wohl aber auch für die Hinterbänkler*innen… Weil Politik ja gewissermassen etwas ist, das man nicht alleine betreiben kann (ich korrigiere mich: demokratisch betriebene Politik) soll dies auch visuell mit Bildkompositionen untermauert werden. Alle Details zu den acht Abstimmumgsfragen finden sich in der 30-teiligen Fotostory. Viel Vergnügen! Text, Fotos und Bildkompositionen: Jost Rinderknecht
Eine Stadthalle mit 210 offenen Türen. Dann-ke, 2026!
208 jungen Menschen stehen alle Türen offen – an der Maturfeier der KZU sorgten offene Türen für einen durch und durch festlichen Durchzug des Jahrgangs 2026.
Durchschritt heisst die logogebende Kugel der Bildhauerin Annemie Fontana, welche im Zentrum des KZU-Campus steht und das auf schöne Art versinnbildlicht, was junge Menschen während ihrer Gymi-Zeit erleben: Sie durchschreiten einen wichtigen Abschnitt ihrer Adoleszenz und treten erstarkt und geläutert ins Erwachsenenleben ein. Meistens. Die Früchte dieses Reifeprozesses – ganz selten gibt es die Frucht auch in Diminutiv an unserer Schule – wurden am legendären zweitletzten Donnerstag vor den Sommerferien in der Stadthalle geerntet. 208 junge Menschen, darunter doch auch immerhin 91 männlichen Geschlechts, empfingen ihr wohlverdientes Maturitätszeugnis. Obwohl die Aussentemperaturen geradezu kühl anmuteten gegenüber vorherigen Jahren und gegenüber der Hitzewelle während den mündlichen Prüfungen, war die Stadthalle auf Durchzug eingerichtet – die offenen Türen im Bühnenbereich brachten etwas Wind in die grosse Fangemeinde der Protagonist*innen.
Noch brauchte es etwas Geduld, bis der Jahrgang von Prorektor und Sportlehrer François Rey – erstmals triumphal einlaufend – in den vordersten Rängen Platz nahm. Rektor Lüthi betonte, dass man an der Fussball-WM ausgerechnet die Idee und den Soundtrack der KZU kopiert hätte, und nicht etwa umgekehrt. Die launigen und persönlichen Reden des Jahrgangsbetreuers wie auch des Maturredners, Alumnus und Spitzentriathlet Jan van Berkel, trafen auf offene Ohren und brachten Viele zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Rey erwähnte die Kooperationsbereitschaft seines Jahrgangs, den Maturstreich zu überdenken und mal was Anderes, Wasserschlachtloses, auszuprobieren. Van Berkel betonte in seiner Rede, dass es im Leben immer noch ein weiteres «DANN» geben würde, auf das es sich vorzubereiten gäbe, man darob aber nicht vergessen sollte, die Etappen für sich stehen zu lassen, als eigenständig und wertvoll zu erleben und sie auch entsprechend zu würdigen.
Das gelang auf alle Fälle mit dieser würdigen Feier, die wiederum mit einer hervorragenden Schüler*innenband, Chorformationen und Gesangsauftritten – mehrheitlich aus den Reihen der abschliessenden Klassen – musikalisch-festlich und ausgelassen begleitet und umrahmt wurde. Auch wenn es jährlich seit einiger Zeit immer mehr Schüler*innen werden, die per Händedruck, Sonnenblume und einem kurzen «Walk of Fame» den begehrten blauen Karton mit den vielen Zahlen erhalten, so wird doch jedem persönlichen Durchschritt Rechnung getragen. Roland Lüthi zitierte Eichendorffs «Abschied» Bald werd‘ ich dich verlassen… und stellte, kurz bevor die Entlassenen sich erste Tränen der Trennung verdrücken konnten, in Aussicht, dass die nun von der Bühne Abtretenden jederzeit willkommen seien an der KZU – etwa um Jahre später wieder einmal eine Klassenzusammenkunft auf dem Campus zu feiern, wie dies in der bald 55jährigen Geschichte der Schule immer mehr Ehemalige täten. Ab 18 Uhr wurde dann (sic!) angestossen auf all diejenigen, denen fortan alle Türen offen stehen werden! Wohl bekomm’s! Schön, wart ihr bei uns! Und ja, wir nehmen an, dass ihr den blau-weissen Karton als Teil der persönlichen Sammlung wie einen Goldschatz hütet und nicht an die Strassenecke stellt – wir sind schon gespannt darauf, was «DANN» nach der Matur aus euch wird! Dann-ke, euch!
Text und Bilder: Jost Rinderknecht Weitere Bilder (ca. 250) der Feier finden sich hier – nur für KZU-Angehörige mit Login.
Neue «Regierung» an der KZU
Die Schüler*innenschaft hat gewählt. Das ist das neue SO-Team.
Die Schüler*innenorganisation der KZU (SO) hat sich personell neu aufgestellt. Im Team:
Nihasni Pathmanathan (4e),
Lenia Reichen (4m),
Fabian Schiesser (5g)
Enea Däppen (5j)
Carl Weidmann (3m)
Céline Ulli (3e)
Nick Hofmann (3i)
Kiyan Ayhan (3c)
Mizgin Ok (4e)
Das Präsidium übernehmen die verdienten SO-Mitglieder Lenia Reichen und Fabian Schiesser.
Wir wünschen dem neuen Team eine kreative und erfolgreiche Arbeit zugunsten der Schüler*innenschaft und der ganzen KZU. Dem zurückgetretenen Präsidium Julian Hägi (6g) und Clara Brink Dorca (6c) danken wir für ihren Einsatz und wünschen alles Gute. (rik)
Die Mitglieder des SO-Vorstandes im Einzelportrait
Ein un-poL-itisches Finale
Die 18 Gruppenprojekte des «projektorientierten Lernens (poL)» mussten vor Publikum und Jury bestehen.
poL steht an der KZU für «projektorientiertes Lernen», ein Gefäss, in dem Viertklässler*innen sich als Projektmanager*innen versuchen – in Teams von 8 bis 14 Schüler*innen, angeleitet durch eine Lehrperson in der Rolle eines Coaches. Zu bestehen in einem solchen Team, sich auf eine gemeinsame Idee festzulegen und alle Widrigkeiten von mangelnden Finanzen bis zu nicht termingerecht gelieferten Materialien zu meistern, braucht Energie und Einsatz. Die meisten Projekte wurden von den Schüler*innen selber initiiert – von «Jugend mit Herz» und «Adopt, don’t shop» bis zu Modellfliegern, Holzbrunnen, Häkeln und Töpfern.
Den Publikumspreis holte das poL «soziales Engagement für Asylsuchende», die Jury entschied sich für das Theater-poL «Hals- und Beinbruch». Wir gratulieren herzlich! Der Dank geht an die beiden Lehrpersonen Sandra Philps (Mathematik) und Bruno Brünner (Wirtschaft & Recht), welche den Jahrgang souverän durch alle Irrungen und Wirrungen schifften.
Text und Bilder: Jost Rinderknecht
Alles ist pol-itisch, ist man geneigt zu sagen. Für einmal ist es aber nicht viel mehr als ein Wortspiel. poL steht an der KZU für «projektorientiertes Lernen», ein Gefäss, in dem Viertklässler*innen sich als Projektmanager*innen versuchen – und das in Teams von 8 bis 14 Schüler*innen. Die Anlage ist zweifellos nicht ganz ohne – welches neu zusammengewürfelte Team von beachtlicher Grösse, angeleitet durch eine Lehrperson in der Rolle eines Coaches, könnte sich auf die Schnelle produktiv für ein gemeinsames Projekt entscheiden und dieses dann von der Idee bis zum fertigen Produkt durchziehen? Dass es dabei auch zu gruppendynamisch herausfordernden Phasen kommt, verwundert kaum. Schule soll ja bekanntlich Vieles trainieren, was später wichtig sein wird. Zu bestehen in einem solchen Team, sich auf eine gemeinsame Idee festzulegen, diese durch dick und dünn zu verteidigen, alle Widrigkeiten von mangelnden Finanzen bis zu nicht termingerecht gelieferten Materialien zu meistern, braucht Energie und Einsatz. Immerhin: Die Gruppenzusammenstellung wurde aufgrund von Vorlieben gemacht – und die meisten Projekte wurden nicht von Lehrpersonen sondern von den Schüler*innen selber initiiert. Dies ergibt immer wieder ein gutes Panoptikum über das, was die Jugendlichen interessiert. Es reicht von der Anteilnahme an Menschen in weniger privilegierter Situation (Jugend mit Herz, Engagement für Asylsuchende) und Tieren (Adopt, don’t shop) bis hin zu ganz Handwerklichem (Modellflieger, Holzbrunnen) und seit neuestem auch bis zu Boomer Hobbies (z.B. Häkeln, Töpfern).
Auffallend am diesjährigen Durchgang war, dass es doch eher viele getrenntgeschlechtliche Gruppen gab – oder solche, wo nur je ein Junge oder Mädchen (dann aber ganz dezidiert: doch, ich will genau das!) mittaten. Vielleicht ist halt doch alles pol-itisch?! Als Coach einer reinen Knabengruppe liess ich mich in mehrfacher Hinsicht überraschen. Die (meisten) Jungs waren stets motiviert, sehr zielorientiert, fleissig, planten voraus, hatten die Finanzen im Griff und sorgten mit grossem Verantwortungsbewusstsein und Achtsamkeit dafür, dass ihr Holzbrunnen mit Solarpumpe und Wasserkreislaufsystem zum Laufen kam und das Team funktionierte. Ich musste also meine lehrerbedingt professionell deformierte Genderwahrnehmung sehr sehr revidieren (wie gut das tut!). Gleichzeitig fanden einige von ihnen immer mal wieder, dass die «Anderen» (die 17 weiteren Gruppen) ja gar keine richtigen Projekte machen würden, die würden ja nur alte Menschen besuchen oder Asylbewerber. Ok, ganz am Ziel sind wir offenbar noch nicht… poL ist ja schliesslich auch eine interessensgelenkte «Bubble». Auch gut, wenn man die dann wieder verlassen kann für den Rest des Gymnasiums.
Den Publikumspreis holte übrigens das poL «soziales Engagement für Asylsuchende», die Jury, bestehend aus 5. Klässler*innen und Lehrpersonen, entschied sich für das Theater-poL «Hals- und Beinbruch». Wir gratulieren herzlich! Der Dank geht an die beiden Lehrpersonen Sandra Philps (Mathematik) und Bruno Brünner (Wirtschaft & Recht), welche den Jahrgang souverän durch alle Irrungen und Wirrungen von Projekten schifften. «Hals- und Beinbruch» wünschen wir allen Viertklässler*innen, welche die beiden letzten Schulwochen in einem Praktikum verbringen werden.
Text und Bilder: Jost Rinderknecht. Die Bilder zeigen die Poster zur Mitte des Projektes sowie Impressionen des Finals.
Züribieter Joghurt nature und Sisyphus interruptus
Dass LSD die Sinne arg strapazieren kann, ist allseits bekannt. Das gilt auch für die moderne Interpretation dieses Kürzels: Last School Day. Früher benannte man den Tag nach dessen Inhalt: Maturstreich. Der Streich entwickelte sich an der KZU über die Jahre ganz revolutionär im astronomischen Sinne: alle Jahre wieder (gleich): eine Wasserschlacht mit Exzessen – immerhin kein Büchersturm. Und ein versöhnlicher Abschluss mit schulleiterlicher Grillade und Salatbuffet im lauschigen Mensagarten. Dieses Jahr sollte (fast) alles anders werden, abgesehen vom gut verankerten Schluss. Dass der diesjährige letzte Schultag (wie eine Meute strahlender Jungs mit einer Tafel ankündigte: «Übrige Schultage: noch 0 Tage») im Zeichen des Klimawandels unter einem «Heat Dome» und unter der Prämisse eines Wasserschlachtverzichtes (einige sprechen von einem Verbot…) stattfinden sollte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die Verantwortlichen in der Schulleitung sind allerdings nicht zu beneiden. Sie schwitzen an diesem Tag mit Abstand am meisten. Einen diesbezüglichen Schulklimawandel herbeizuführen ist fast so schwierig wie den atmosphärischen Klimawandel loszukriegen.
Nach dem ersten Durchgang zu beurteilen darf man konstatieren: Es ist gelungen. Das Einzige, was noch milde an die umstürzlerischen Zeiten erinnerte, war das handgemalte Banner über dem Haupteingang – allerdings wurde schnell klar, dass «Nightlife» weniger brachial werden sollte wie «Prison» und ähnliches aus den Vorjahren. Die Jahrgang der Maturii hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Das durchorchestrierte Fest (mit farblich abgestuften Zutrittsbändeli und toll designten Shirts – danke, endlich mal keine Overalls, Polizeiuniformen und Militärklamotten!) war eine Party für alle Geschmäcker – «Nightlife» at «High Noon» eine besondere Herausforderung. Man wähnte sich zeitweilig fast an einem Hausfest. So gab es Frisuren-, Nagellack-, Styling-, Spiel-, Geschicklichkeits-, Dating-, Karaoke-, Gaming-, Talent- und noch viele weitere Posten – allesamt liebevoll drapiert und von (zeitweise etwas übernächtigen, aber) wohlwollenden Maturand*innen bedient. Die obligate Aula-Show mit Film, Lehrer-Schüler*innen-Quiz-Battle (ein Sieg nach Punkten für die Lehrer*innen! – eine Revanche?), mit (rektoralen und anderen) Tanzeinlagen (wow!), Herzblatt-Verkupplungsshow und «Best of» Prämierungen des Jahrgangs durfte selbstverständlich nicht fehlen – hervorragend moderiert durch zwei Jahrgängerinnen, die auch das phasenweise machohafte Auftreten der Protagonisten auf der Bühne witzig und träf kommentierten.
Erstmals legten DJs aus der Lehrerschaft auf – Sisyphus interruptus könnte als Programmname für den angestrebten Kulturwandel nicht besser passen. Auch an «Zältli» mangelte es nicht – serviert aus der «Züribieter Joghurt nature»-Box. Wird das nun der neue «LSD @ KZU»? Viel Süsses und wenig(er) Saures? Aus der Region, für die Region? Wir werden es sehen. Und hoffen, dass der Tag seinen guten Lauf nehmen wird, den er eingeschlagen hat. (Leicht r)evolutionär weiterentwickeln darf er sich auf alle Fälle. «Ä chlei stinke muess es» – gilt ganz sicher auch für diesen Tag. Das wurde auf alle Fälle schon mal eingelöst. Die Luft in der Aula war zum Schneiden – vielleicht ein Vorgeschmack auf die Maturfeier in der Stadthalle. Etwas «crunchier» darf das Joghurt nature künftig sicherlich noch werden. Und das Mensateam wird mehr Wasser für durstige Kehlen bereit stellen müssen.
Vom Nightlife berichtet hat: Jost Rinderknecht – dieses bebildert auch, zusammen mit Robert Richter Der Dank geht an alle, die sich mit Verve für eine «neuen» Maturstreich engagiert haben.
Weitere Bilder nur für KZU-Angehörige sind hier einzusehen.
Das Glück in der Solidarität finden
Am Glücksrad drehen müssten die KZU-Schüler*innen ja eigentlich nicht. Im Zürcher Unterland zu leben und die Schulbank zu drücken, ist schon der Lottosechser. Das ist den meisten Gymnasiast*innen durchaus bewusst – und wird ihnen in vielen Lektionen auch vor Augen geführt. Liest man allerdings die Lokalpresse (Tages-Anzeiger vom 5.5. «In diesem Gymi tropft es durchs Dach») kann man berechtigte Zweifel hegen, wie sinnvoll es ist, dass gerade die KZU das Bildungsprojekt «Elukids» in Sri Lanka unterstützt. Angesichts der verheerenden Schäden des Zyklons Ditwah Ende November 2025 relativieren sich solche Bedenken aber sofort – glücklich, wem nur das Wasser durchs Dach tropft und dem nicht sein ganzes Lebenswerk weggeschwemmt wurde. Solidarität lehren und lernen ist in der heutigen, zunehmend entsolidarisierten Welt dringend nötig. Dies hat sich die UNESCO-Gruppe der KZU auf die Fahne geschrieben. Sie tut das schon seit Jahren, mit Charme, Ideenreichtum, Aktivitäten aller Art, Lebensnähe und einem langen Schnauf. Dahinter stehen engagierte Lehrerinnen, vornehmlich aus den Fachbereichen der Alten und Neuen Sprachen – allen voran Laurine Pittoni, Französisch- und Italienischlehrerin, welche auch direkte Kontakte zu Elukids pflegt und so den Draht zwischen dem Zürcher Unterland und Sri Lanka immer wieder neu am Leben erhält. Dazu gehören aber auch engagierte Schülerinnen und Schüler, die sich dem Solidaritätsgedanken verpflichten und die wichtige Botschaft unter die Belegschaft bringen. Dass manche Schüler*innen der KZU Wurzeln in Südostasien haben, mag dabei nebensächlich sein – schlägt aber einen weiteren Bogen zwischen den Welten. Eine Schule lebt immer auch von dem, was zwischen den Zeilen und zwischen den Lektionen passiert. Die UNESCO-Gruppe belebt und prägt die KZU-Schulkultur mit ihren wichtigen Anliegen, wie etwa dem jährlichen Gedenken der Menschenrechte. Und manch eine Schülerin oder ein Schüler erlebt das Glück hoffentlich nicht nur am Rad, sondern auch in der Solidarität. Denn für andere da zu sein und sich zu engagieren steigert ja bekanntlich die Lebensqualität – für alle. Text: Jost Rinderknecht, Bilder: Laurine Pittoni, Jost Rinderknecht
Tauchfestival
Das Perlentauchen 2026 entwickelte sich zum Apnoetauchen: Luft anhalten… und Staunen über das, was dabei herausgekommen ist.
Der letzte Freitag, der 13. März, war genau vor sechs Jahren: Aufgrund der Corona-Pandemie sah sich die KZU gezwungen, erstmals in ihrer Geschichte die Schule nicht ferienhalber zu schliessen. Man versuchte es nochmals mit diesem legendären Datum, diesmal allerdings, um den Maturarbeiten die Krone aufzusetzen, welche sich als eigentliche Perlen des Jahrganges 2025/26 erwiesen hatten. Das «Perlentauchen» ist ein fester Bestandteil des KZU-Kultur-Kalenders – und dass es zum dreizehnten Mal am Freitag, dem 13. März 2026 stattfinden sollte, erwies sich als abergläubische Knacknuss für alle, die Übersinnliches gerne in den Wind schlagen. «Es wird gefeiert» verkündete das Plakat der Mensa selbstbewusst – die abge-tauchte Beamertechnik behauptete allerdings mit absoluter Starrköpfigkeit «Überprüfen Sie die Eingangsklemme». Eben, Freitag, der 13! Neo-Prorektor Patrick Wehrli, Gastgeber, musste sehenden Auges miterleben, wie sich der Aulaeingang zunehmens zur Eingangsklemme entwickelte, ohne dass die herausgeputzen Gäste den Theatersaal betreten konnten. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und welcher Spruch würde den besser dazu passen, was die rund 18 ca. 18jährigen Protagonist*innen dem Publikum staunenden Auges vorführten. Jede Maturarbeit beginnt ja schliesslich auch mit einer (fruchtbaren) Eingangsklemme – wenige landen zum Schluss auf der Perlentauchen-Bühne. Abergläubisch sein darf man dabei nicht, denn wer Angst hat vor programmatischem Scheitern wird kaum je Höchstleistungen erbringen.
Zehn Maturand*innen präsentierten ihre Werke im Foyer, sechs traten mit Vorträgen auf der Bühne auf – und weitere zwei gaben im Laufe des Abends Einblick in ihr Schaffen als Zauberer und Modedesigner. Musikalisch umrahmt wurden die stimmigen Auftritte von Noemi Peier und Jil Grabner (Klavier, Gitarre, Voices; 6m) und von der Schülerband.
Ehrgeizig das Unterfangen von Siri Moser, 6k, mit Apnoetauchen sich einem Selbstversuch zu unterziehen. Nach über vier Minuten Luft weg blieb diese dem Publikum definitiv auch weg.
Intim die Ausführungen von Ayana Albrecht, 6d. Sie befasste sich mit ihrem eigenen Leben und demjenigen vieler Adoptivkinder in einem berührenden Dokumentarfilm mit dem Titel «DANKBAR». Das Publikum dankte mit warmem Applaus.
Fancy wie Alexander Rieser, 6i, seine selbst gefertigte, kultige und stylische Wigglegram Camera in Szene setzte. Einfach grossartig. Die Zuschauer*innen wähnten sich bei Steve Jobs Keynote – nur besser und witziger. Punkto Storytelling, Minimalismus und Charisma stand Alexander dem Original in Nichts nach.
Politisch die Arbeit von Anna Németh, 6m. Sie setzt der ungarischen Fidesz Partei einen Spiegel vor und hofft, dass den Ungar*innen bei den kommenden Wahlen im April ein Auge aufgeht.
Mutig das Unterfangen von Eva Schurter, 6a, das Essen von Insekten auch in unserem Kulturkreis populär zu machen. Die Zuschauer verköstigten sich immerhin in der Pause mit Insekten-Snacks. Gar nicht so schlecht…
Explorativ die Reportage eines Lost Place in Indonesien von Kai Stucki, 6i, der sich ganz der Fotografie und dem Erleben von Lost Places auf der ganzen Welt gewidmet hat. Beruhigend zu wissen für alle «Urbexer» (in freier Übersetzung: Unterland Explorer), dass die KZU trotz baldigem Abgang all dieser Toptalente, störrischer Technik und über 50jähriger Räumlichkeiten nicht droht, ein Lost Place zu werden.
Jede Programm ist aber nur so gut wie sein Zwischenprogramm. Das zeigte sich einmal mehr bei den Intermezzi. Justin Walder, 6c, verzauberte und verblüffte das Publikum und bei Lianel Denzlers, 6m, extravaganter Modekollektion mit noch exklusiveren Hüten hütete man sich davor zu meinen, eine gute Maturitätsarbeit sei reine Zauberei. Hut ab vor all diesen Leistungen! Nicht zuletzt erwies sich der Abend als freitäglicher Hochgenusswochenabschluss, weil die beiden Prorektoren, Patrick Wehrli – von den Schüler*innen aufgrund seiner legendären Chemie-Shows liebevoll «Zauber-Wehrli» genannt – und «Sportass» Prorektor François Rey dem Showtalent nicht abhold sind und kreativ, wertschätzend und witzig durch den Abend moderierten. Fragt sich nur, wann die beiden ihre eigene Show kriegen. Schön die Schule, an der sich auch Rektor Roland Lüthi öffentlich von seinen Schüler*innen verzaubern lässt. Und das ist durch und durch (un)allegorisch zu verstehen.
Text, Bilder, Videos: Jost Rinderknecht; Bemerkung: Das Modeschau-Video ist aus urheberrechtlichen Gründen anfangs musikfrei.
Pillen, Salben, Spritzen – auf dem Weg an die Spitze der Ecoländer
Die Studienwoche «OEKOWI» der 5. Klassen verbindet ökonomisch-ökologische Schulung mit Klamauk und Vorferienstimmung.
Es ist Jahr für Jahr eine energetische Gratwanderung: Mit der Zweihundertschaft der 5. Klassen spielt ein Team von rund 15 Kursleiter*innen unter der Leitung der beiden W&R-Lehrer Cyrill Gruber und Ibrahim Gürbüz das Planspiel «Ecoland» des Vereins «wirtschaftsbildung.ch». Das Spiel simuliert eine Volkswirtschaft über vier Jahre hinweg und verlangt einen langen Schnauf von allen Beteiligten – zumal man in seinem «Ecoland» auch noch in Konkurrenz steht zu sechs weiteren Ecoländern.
Immer wieder ist es eindrücklich zu erleben, wie die Jugendlichen sich aufraffen, um in ihrer Rolle als Unternehmer, Regierungspräsidentin, Haushaltvorstand oder Journalistin aufzugehen. Die Wahl der Namen der Ecoländer gibt ungewohnte Einblicke: «Solaria» setzt auf die Kraft der Sonne, «Kaffistan» auf ein bekanntes Aufputschmittel, «Insulistan» produziert Spritzen, «Fortis» verspricht Muskelkraft per Crème und «Planterra» verkauft Erfolg mit Vitaminpillen. Vorerst aber heisst das Heilmittel Nr. 1: Ferien!
Text und Bilder (Schlussveranstaltung «die Stunde der Wahrheit»): Jost Rinderknecht
Die Studienwoche«OEKOWI» der 5. Klassen verbindet ökonomisch-ökologische Schulung mit Klamauk und Vorferienstimmung.
Es ist Jahr für Jahr eine energetische Gratwanderung: Mit der Zweihundertschaft der 5. Klassen spielt ein Team von rund 15 Kursleiter*innen aus zahlreichen Fachschaften unter der Leitung der beiden W&R-Lehrer Cyrill Gruber und Ibrahim Gürbüz das Planspiel «Ecoland» des Vereins «wirtschaftsbildung.ch». Die Fassung, die gespielt wird, umfasst weitere, kzu-spezifische Elemente, u.a. die Konfrontation der Schüler*innen mit zahlreichen «echten» Rollenvertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Spiel, in welchem eine Volkswirtschaft simuliert wird über vier Jahre hinweg, verlangt einen langen Schnauf von allen Beteiligten, geht es doch um komplexe gesellschaftlichen, ökologische und ökonomische Herausforderungen aller Art, die es anzugehen gilt. Das ist aber alles andere als einfach – zumal man in seinem «Ecoland» auch noch in Konkurrenz steht zu den weiteren sechs Ecoländern, die ebenfalls darum buhlen, die besten Zahlen in der dreidimensionalen Nachhaltigkeitsentwicklung zu erzielen nach vier Jahren des Wirtschaftens. Immer wieder schlagen Krankheiten und Absenzen dem Grossanlass ein Schnippchen – steckt doch das lange und dunkle Herbstsemester sowohl den Schüler*innen wie auch den Lehrer*innen in den Knochen. Immer wieder ist es aber auch eindrücklich zu erleben, wie die Jugendlichen sich aufraffen, um in ihrer Rolle als Unternehmer, Regierungspräsidentin, Haushaltvorstand oder Journalistin aufzugehen. Das ist oft ganz ernsthaft, zuweilen aber auch sehr klamaukbehaftet und lustig. Zum Glück, ist man gewillt zu sagen – denn Politisieren ist zwar durchaus lustvoll, aber in Zeiten trüber Weltpolitik auch nicht nur. Die Wahl der Namen der Ecoländer und der dort produzierten Objekte geben auch dieses Jahr ganz ungewohnte Einblicke in den (Gemüts-)zustand der Jugendlichen. U.a. setzt «Solaria» ganz auf die Kraft der Sonne, «Kaffistan» auf ein uns allen bekanntes Aufputschmittel, die «DR Insulistan» produziert Spritzen, «Fortis» verspricht mirakulöse Muskelkraft dank der entsprechenden Crème und «Planterra» verkauft Erfolg mit Vitaminpillen. Die Sehnsucht nach dem einfachen «Mittel» mit (über)natürlichen Kräften, welche alle Probleme einer Gesellschaft auf einen Schlag löst, scheint gross zu sein… Verständlich. Vorerst aber heisst das Heilmittel Nr. 1: Ferien!
Text und Bilder (Schlussveranstaltung «die Stunde der Wahrheit»): Jost Rinderknecht