«Im Rampenlicht»

Gedanken zum Elternbesuchstag

Wenn Elternbesuchstag ist, wie letzten Dienstag, dann erkennt man das unter anderem auch daran, dass die Fahnenstangen beim Eingang auf der Seite der Kantonsschulstrasse (wir haben eine eigene Strasse!) voll beflaggt sind. Wenn man dann am Fussgängerstreifen bei der Bushaltestelle «Kantonsschule» (wir haben eine eigene Bushaltestelle) anhält, um die Schüler_innen passieren zu lassen, dann erkennt man nichts Aussergewöhnliches. Man steht gleich lang wie an anderen Tagen, wenn man die Anfahrt schlecht getimt hat, man staunt, wie immer in solchen Momenten, wie so viele Menschen in einem einzigen Postauto Platz fanden, man schaut vielleicht in den Himmel und sieht ein Flugzeug (wir haben einen eigenen internationalen Flugplatz) – und eben, dabei schweift der Blick zu den Fahnen und man wird sich gewahr, dass Besuchstag ist.

Dann denkt man zurück an vergangene Besuchstage, mit zum Teil Kanti-legendär gewordenen Geschichten. Da war der Vater, der in der Mathematikstunde eines Kollegen die ersten zwanzig Minuten damit verbrachte, mit dem Rücken zum Unterrichtsgeschehen aus dem Fenster zu schauen, sich dann unvermittelt umdrehte und lauthals fragte, warum diese Gleichung nicht anders gelöst werde. Kritik an Inhalten bleibt mir selbst in Erinnerung: Als Junglehrer wollte ich mich vom Besuchstag unbeeindruckt zeigen und hielt am Semesterplan fest, auch wenn just an diesem Tag eine Vokabular-Einheit zum menschlichen Körper anstand. Ich liess nichts weg, was mir am Schluss der Stunde eine stirnrunzelnde Mutter vor dem Lehrerpult bescherte: «Bei Ihnen lernt man aber komische Wörtli.»

Wir freuen uns immer, wenn Eltern durch ihre Anwesenheit Interesse am Geschehen bei uns bekunden. Natürlich ist man am Morgen etwas angespannter als sonst, gleichzeitig ist es ja durchaus auch schön, einmal vor etwas anderem Publikum zu zeigen, was man macht. Von den allermeisten Besuchenden erfahren wir viel Goodwill, es gehört zum Leben, dass einem eher die anderen Fälle in Erinnerung bleiben. Da wäre der Partner einer älteren Schülerin zu erwähnen, der vor Jahren die ganze Lektion damit verbrachte, seiner Freundin das Händchen zu halten – und ich traute mich nicht, zu sagen, dass mich das störte. Oder, auch das ist lange her, der Vater, der am Schluss der Lektion bei einem Kollegen vor die ganze Klasse trat und diese zusammenstauchte: «Jetzt habt ihr so einen tollen Lehrer und ihr sitzt alle da wie die Mehlsäcke!» Sein Sohn wird es ihm ebenso wenig gedankt haben, wie der Sohn des Vaters, der bei mir im Unterricht einmal mit grösster Selbstverständlichkeit nicht auf einem Besucherstuhl am Fenster Platz nahm, sondern sich neben sein Kind setzte und diesem während der Lektion die Lösungen vorsagte.

Immer wieder schön ist, dass einem am Besuchstag nicht nur Eltern besuchen, sondern auch ehemalige Schüler_innen. Man ist dankbar, dass offenbar nicht alles schlecht war im Unterricht, man freut sich über den Schwatz nach der Stunde, wo man herausfindet, was aus den ehemaligen Schützlingen geworden ist und man hört dann vielleicht auch: «Ah, machst du das immer noch?» Das kann dann Anlass sein, über die Bücher zu gehen, es kann aber auch eine Bestärkung sein, Dinge, die offensichtlich haften bleiben, noch nicht gleich über Bord zu werfen. In jedem Fall sind, gerade positive, Rückmeldungen willkommen. Manchmal ist der Schwatz mit jeder Besucherin nach der Stunde beim besten Willen nicht möglich. Ganz sicher galt das für die Kollegin, deren Unterricht sich so grosser Beliebtheit erfreut, dass sie einmal an einem Besuchstag doppelt so viele Gäste wie Schüler_innen im Zimmer vorfand. Ich stelle mir vor, dass da normaler Unterricht kaum mehr möglich war – als «Rückmeldung mit den Füssen» war das aber sicher sehr schön.

Den nächsten Wochenbrief gibt es im Oktober.

Eine gute Woche und dann schöne Ferien wünscht
Roland Lüthi, Rektor

«Die heutige Jugend»

Gedanken zu Gen Z und Gen Alpha

Wenn Sie das Emoji 👍 unter eine Nachricht, die Sie bekommen, setzen, was wollen Sie dann damit sagen? Ich meine mit dem Däumchen eigentlich zwei Dinge: «Ich habe das gelesen und ich bin grundsätzlich einverstanden.» Damit ist aber, so habe ich das nachgelesen, noch etwas Drittes gesagt: Ich bin älter als 31. Jüngere Generationen, die Generationen Z (Geburtsjahr ca. 1995 bis 2012) und Alpha (2013 bis 2024 geboren) meinen, wenn sie schon (bzw. noch) Nachrichten kommentieren, mit dem Däumchen eher, durchaus auch sarkastisch, etwas im Rahmen von «Oh wow, bist du da auch noch stolz drauf?» Auch Zeichen wie 😂, ❤, und 🙂 werden von verschiedenen Generationen nicht gleich verwendet. Natürlich ist nie eine ganze Generation in sich einheitlich, aber Trends innerhalb von Generationen sind doch so wichtig, dass es ganze Firmen gibt, die ihr Geld damit verdienen, zum Beispiel älteren Chef_innen zu erklären, wie sie am besten mit ihren jüngeren Angestellten umgehen. Der Chef einer solchen Firma sprach im Rahmen der KSGR (der Konferenz Schweizerischer Gymnasialrektorinnen und -rektoren) in Locarno zu uns. Yannick Blättler tat dies auf erfrischende Weise und viel von dem, was er sagte, war erhellend. Schon recht bald wurde aber klar, dass, um es richtig zu machen, einiges geändert werden müsste. Zum Beispiel wünschen Angehörige der Gen Z sich häufiges Feedback. Mitarbeitergespräche müssten weit häufiger als jährlich stattfinden (sie finden bei uns zum Teil dreijährlich statt), Reaktionen auf Leistungen hätten quasi instantan zu erfolgen. Hier begehrte zum ersten Mal ein Rektor auf. Er fragte den Sprecher, wie viele Angestellte er denn führe? Zehn, meinte dieser. «Sehen Sie, bei mir sind das 60!» erwiderte der Rektor. Der Redner liess sich davon nicht aus der Ruhe bringen, sondern konterte sofort (und tatsächlich auf Englisch): «Sounds like a system problem.» Tatsächlich gibt es Momente, wo wir sagen, etwas gehe nicht, nicht, weil wir die Veränderung nicht eigentlich begrüssen würden, sondern, weil die Umstände die Veränderung verhindern. In solchen Fällen ist es dann sicher richtig, zu prüfen, ob diese Umstände nicht angepasst werden können. (Und ob man tatsächlich nicht kann, oder einfach nicht will – aber das ist eine andere Geschichte.) Sofortiges und häufiges Feedback bekommen junge Leute übrigens zum Beispiel im Sportverein, wo, wenn nicht die Trainerin oder der Trainer, so doch der Sport selbst einem konstant und sehr direkt Feedback zur eigenen Leistung gibt. Von ihren Chefs erwarte die Gen Z ausserdem ein Dreieck aus Klarheit, Performance und Erholungsangeboten, hiess es weiter. Hier bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich verstanden habe, was damit gemeint ist, ich hoffe aber, dass, wer Performance verlangt, auch bereit ist, Performance zu liefern. Dass man klar sein soll, ist, nun, klar. Dass der Arbeitgeber die Erholungsangebote mitliefern soll, ist allerdings tatsächlich eine Veränderung gegenüber der Zeit, als zum Beispiel ich erste Arbeitsversuche auf Baustellen machte. (Gilt das auch für Baustellen? Es müsste wohl, auch dort ist die Gen Z ja als Arbeitskraft angekommen.) Die Klarheit wird übrigens auch bei dem, was eine Stelle bietet, gefordert. Man will klar wissen, was von einem erwartet wird. Die zwei weiteren Forderungen hier seien, dass Angebote instantan sein sollen (Ich nehme an, das heisst etwa: «Ich will es JETZT.») – und sie müssen auch flexibel sein (Ich lese: «Ich will Gestaltungsfreiheit.»). Spätestens jetzt fehlte allerdings mir dann etwas die Klarheit – wie soll ein Angebot gleichzeitig klar definiert und flexibel sein? Sowieso finde ich, zum Beispiel im Unterricht, aber auch im Umgang mit deutlich jüngeren Kolleg_innen, nicht, dass die Unterschiede zwischen den Generationen grösser sind als die verbindenden Elemente. Dennoch ist es interessant und wichtig, sich auch mit den Unterschieden auseinanderzusetzen, nur schon, um wissend entscheiden zu können, wo sich das System anpassen soll und wo eben die Menschen im System gefordert sind, sich anzupassen. Ganz ohne die Fähigkeit und die Bereitschaft, manchmal auch einfach aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen, wird es wohl für jede Generation schwierig.

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

Artikel zum Thema finden sich zum Beispiel in den Online-Ausgaben der New York Times (24. August 2026) oder dem Wall Street Journal (9. August 2021). Beide Lektüren brauchen allerdings ein Abo.

«Ist Dabeisein alles?»

(Olympische) Gedanken zum Zürcher Mittelschulsporttag

163 KZU-Schüler_innen waren für Mittwoch vom Unterricht abgemeldet, weil sie entweder als Helfer oder als Athletinnen am Zürcher Mittelschulsporttag im Einsatz waren. An diesem Anlass im September messen sich Teams aller Zürcher Kantonsschulen in verschiedensten Sportarten von Leichtathletik bis Unihockey. Die austragenden Schulen übernehmen den ZMS, wie der Tag abgekürzt wird, jeweils für drei Jahre. 2026 war das dritte Jahr, in dem KZU und KSL (Kantonsschule Limmattal in Urdorf) organisierten. Die federführende austragende Schule (also wir) lädt über Mittag zum Apéro und zum Showblock ein. Auf der Homepage der KZU finden sich Jost Rinderknechts Artikel und seine Bilder zu den – teils höchst athletischen – Tanzdarbietungen während dieses Showblocks.

Über die letzten drei Jahre erlebten wir also hautnah, was es braucht, um einen so grossen, kantonsüberspannenden Anlass zu organisieren und durchzuführen. Thomas Umbricht, Fachvorstand Sport bei uns, und sein Gegenpart an der KSL haben dies jedes Jahr hervorragend gemeistert – und es stellten sich ihnen jedes Jahr zusätzliche Herausforderungen. Ich habe auch versucht, herauszufinden, wie gross die Chance ist, dass man an einem frühen Septembermittwoch im Kanton Zürich in drei aufeinanderfolgenden Jahren jedes Mal einen Regentag erwischt. Sie ist nicht sehr gross, es ist aber so gekommen. Und bei uns an der KZU kam es noch schlimmer. Letztes Jahr brach kurz vor dem ZMS eine riesige Schlammlawine aus einem angrenzenden Acker über das Sportgelände, dieses Jahr galt es, nach dem Hagelsturm die Anlage so weit instandzustellen, dass der Sporttag stattfinden konnte. Einmal mehr gebührt an dieser Stelle unserem Hausdienst, insbesondere Drilon Hoxha und Filamenta Ajazaj, ein grosser Dank und ein grosses Lob.

Ich konnte nicht nur den Showblock mitverfolgen, sondern sah auch den 1500-Meter-Lauf der Männer und die Viermal-100-Meter-Staffel der Frauen auf der Tartanbahn der Kanti Bülach. Unsere beiden Jungs schlugen sich wacker, mussten sich aber den drei (!) Läufern von der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon geschlagen geben, die die ersten drei Ränge unter sich ausmachten. Sie liefen alle drei mit 30 Sekunden und mehr Vorsprung ins Ziel ein, eine eindrückliche Demonstration.

Sowieso hatte die KZU schon erfolgreichere ZMS – dieses Jahr war, was die Resultate angeht, eher ernüchternd. Immerhin stehen den vier letzten Plätzen zwei Silbermedaillen gegenüber und vor allem gilt es, den im Zusammenhang mit Niederlagen viel zitierten olympischen Gedanken zu wahren. Diesem bin ich etwas nachgegangen und bin dabei immer tiefer (quasi «profundius») in die Wikipedia eingetaucht. Ursprünglich hiess das Motto der (neuen) olympischen Spiele «citius, altius, fortius», also «schneller, höher, stärker». Das sind drei Komparative – da ging es also noch sehr klar darum, im Vergleich besser abzuschneiden als andere. Offenbar kam es schon früh (1908 in London) zu einem Streit zwischen der englischen und der amerikanischen Delegation, wer den 400-Meter-Lauf gewonnen hatte. Pierre de Coubertin, der Mann, der massgeblich hinter der Neubelebung der olympischen Spiele am Ende des 19. Jahrhunderts stand, schlichtete mit den Worten «Das Wichtige an den olympischen Spielen ist nicht zu siegen, sondern daran teilzunehmen; ebenso wie es im Leben unerlässlich ist, nicht zu besiegen, sondern sein Bestes zu geben.» Daraus entstand dann offenbar die Idee von «Hauptsache, man ist dabei» bzw. «Mitmachen ist wichtiger als gewinnen», die man heute meist meint, wenn man den olympischen Gedanken zitiert.

Es kann mir niemand erzählen, dass sich am ZMS sehr viele Sportler_innen auf den Platz begeben und vor allem denken «schön, dass ich dabei bin». Ich denke tatsächlich, dass, mindestens zu Beginn, jede und jeder einsteigt, um aufzusteigen, schneller zu laufen, genauer zu schiessen, höher zu springen als die Gegnerinnen oder Gegner. Dass es nicht allen gelingen kann, liegt in der Natur der Sache – die jungen Frauen von der Hohen Promenade in der Viermal-100-Meter-Staffel jedenfalls liessen ihren Gegnerinnen vom ersten Abschnitt an nicht den Hauch einer Chance, was beeindruckend war.

An einer Vorlesung über just die Generationen dieser Athlet_innen (Gen Z und Generation Alpha) lernte ich übrigens, dass aktive Sportler_innen direkte Vorzüge aus ihrer Tätigkeit – auch für das Berufsleben – ziehen; aber das ist eine andere Geschichte, vielleicht für einen nächsten Wochenbrief.

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

«Die Neuen sind da»

Gedanken zu den 1. und 3. Klassen

Am Freitag war Reisetag, die neuen 1. und 3. Klassen fuhren auf die eintägige Schulreise – zum Glück war diese nicht auf den letzten Freitag angesetzt. Der hinterliess Einiges an Schäden und es gab auch Blessuren, die aber dem Vernehmen nach alle am Heilen sind. Beim Gang über den Schulhof staune ich, wie viele unserer runden Kunststofflampen das Bombardement überhaupt überlebt haben und die Kastanie schaut eigentlich auch wieder ganz gut aus. Nur, wenn man die Augen den Stamm hochwandern lässt, sieht man, wo der grosse Ast abgebrochen ist. Der Baumwerker war da und hat uns versichert, dass die Kastanie stehen bleiben darf. Ein ganz grosser Dank gebührt dem Hausdienst, der in den letzten Tagen grosse Mengen an Biomasse zu beseitigen hatte!

Die Neuen sind da! Ich nehme dies gerne zum Anlass mir ein paar Gedanken zu den 182 Kindern in den sieben neuen 1. Klassen und den 221 Jugendlichen in den neuen 3. Klassen bei uns zu machen. Dazu habe ich mir je eine Excel-Tabelle geben lassen, anhand derer ich etwas Statistik betrieb.

Schon die Unterscheidung «Kinder» und «Jugendliche» steht meinen Erkenntnissen zufolge auf wackligen Beinen, ist doch die jüngste 3.-Klässlerin ist gerade einmal zwei Tage älter als der älteste 1.-Klässler. Der Altersunterschied bei den 1. Klassen erstreckt sich über überraschende zwei Jahre und drei Tage, bei den 3. Klassen sind das eher zu erwartende drei Jahre und vier Monate – die kommen ja aus der 2. oder 3. Sekundarschule, aus dem Untergymnasium oder auch einmal aus dem 10. Schuljahr.

Die Untergymeler_innen reisen täglich aus 38 verschiedenen Gemeinden an, die Kurzgymnasiast_innen aus deren 41. Im Untergymi wohne 17% in Bülach, im Kurzgymi sind das 18%, am zweitmeisten vertreten ist in beiden Formaten Kloten, ab da ändert sich die Situation rasch: Embrach holt Bronze bei den Kurzgymasiast_innen, im Langgymi steht es nur noch auf dem 11. Rang. Interessant fand ich, dass im Kurzgymnasium doch 12 Jugendliche die einzigen aus ihrer Gemeinde sind – im Langgymnasium trifft das nur auf 7 zu.

Die Tabelle gibt noch mehr her, aber da kommt man dann schnell einmal in datenschutztechnisch heikle Gewässer. Bei den 1. Klassen gibt es einen häufigsten Namen, aber weil den nur drei tragen, muss er hier ungenannt bleiben. So viel sei verraten: Es ist, anders als bei den 3. Klassen, ein Mädchenname. Der häufigste Name im Kurzgymnasium bringt es auf vier Gleichnamige.

Die Zahlen sind schön und gut, viel schöner ist es, die neuen KZUler_innen leibhaftig auf dem Gelände zu haben. Am Mittwoch führte ein Klassenlehrer mit seiner 1. Klasse den Kennenlern-Postenlauf über das Schulgelände durch. Es hat etwas Erfrischendes, wenn zwei 1.-Klässlerinnen im gestreckten Galopp über den Schulhof auf einen zu rennen, um zu fragen, ob man wisse, wie die Gärtnerin heisst. (Ja, das weiss man.) Und am Donnerstag stand die 3j vor meiner Bürotür und fragte, ob ich ein Gipfeli haben möchte, sie hätten noch zwei übrig vom gemeinsamen Frühstück. Sehr nett, danke, 3j. Wie heisst es auf Englisch? You can only make a first impression once. Mein erster Eindruck von der 3j, wie von den anderen Neuen, die ich schon kennenlernen durfte, ist jedenfalls ein guter.

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

Der Kanti-OL übrigens, eine feste Grösse im Sport-Schulkalender, findet diesen Herbst nicht statt: Es ist nach Hitzesommer und Hagelsturm zu gefährlich, im Wald zu trainieren.

«Ungerades»

Gedanken zum Bauen

Eilmeldung: Dieser Wochenbrief wurde vor dem Unwetter vom Freitag, 28. August, geschrieben. Unser Kenntnisstand ist, dass alle wohlauf sind, was das Wichtigste ist. Die Schäden auf dem Schulgebäude und am Schulhaus selbst müssen nun zuerst erhoben werden, bevor wir wissen, was an Folgen auf uns zukommt. Der letzte Abschnitt dieses Wochenbriefes mag allerdings dann nicht mehr als ein frommer Wunsch gewesen sein…

Bei uns zuhause ist kaum eine sanitäre Installation grade montiert worden. Beim Umbau damals war dafür ein sympathischer junger Sanitär mit starkem Berner Dialekt zuständig, der ein sehr entspanntes Verhältnis zu Genauigkeit und handwerklichem Stolz hatte. Ich ärgere mich bei einzelnen Teilen noch heute. In einem früheren Wochenbrief hatte ich es schon einmal davon, dass man sich nur dann darüber ärgern muss, wie die Dinge herauskommen, wenn man einen Einfluss auf sie hätte nehmen können (oder sollen). Das ist hier gegeben, ich hätte einfach mehr zugegen sein müssen, mehr auf die freundlichen Finger schauen, mehr insistieren, dass eine grade aufgehängte Duschkopfführung eher dem Standard entspricht als eine leicht schräge, zum Beispiel. Was den Umbau bzw. die Vordachrenovation und die Instandsetzung der Herrentoiletten an der Schule betrifft, haben wir wenig Einfluss. Vergabe und Bauleitung sind nicht in unserer Hand, das ist im Kanton anders geregelt. Dafür sind wir ja auch sehr dankbar, zumal ein Englisch-, Sport- oder Geografiestudium frei von Modulen zum Bau-Wesen abläuft. Der Nachteil ist, dass wir nun ein Stück weit anderen ausgeliefert sind – und so stelle ich fest, dass man sich mitunter eben doch ärgern kann, auch wenn man selbst keinen direkten Einfluss nehmen kann. Wir hatten gehofft, nach den Sommerferien würden nur noch Arbeiten anstehen, die keinen Lärm verursachen. Im Moment muss aber aufgrund von Verzögerungen immer noch gebohrt, geschliffen, geflext werden – und der Flammenwerfer «Fauchi» kommt auch auf genügend Dezibel, dass man ihn auch durch geschlossene Fenster gut hört. Zu den Verzögerungen kam es, weil der Regen, auf den alle so lange gehofft hatten, am Freitag der ersten Schulwoche offenbar in überraschendem Übermass kam und darum so viel Wasser den Weg in den Physik- und den Geografietrakt fand, dass es aus den Lampen tropfte (bzw. floss) und mit Eimern aufgegangen werden musste. In diesem Zusammenhang sind Gespräche im Gang (oder am Sommerfest für die Neuen am Donnerstag) interessant, weil sie zeigen, dass praktisch alle, die je mit einem Bau oder Umbau zu tun hatten, eine Geschichte von einer schrägen Duschstange oder einer anderen verkehrt montierten Halterung parat haben. Wie heisst das alte Sprichwort, das, wenn nicht vom Bau, so doch aus der Zimmermannszunft kommt? «Wo man hobelt, fliegen Späne.»

Schön wäre, man könnte etwas gelassener damit umgehen, wenn einem wieder einmal so ein Span in die Quere kommt. Dies ist aber angesichts von Termindruck, Menge der Aufgaben, Komplexität des Anstehenden oder manchmal auch einfach mangelnder Lust, wieder einen gemachten Plan zu ändern, nicht immer sehr einfach. Hierzu suchte ich auch nach Sprichwörtern und Redewendungen und fand neben dem immer wieder schönen deutschen «Humor ist, wenn man trotzdem lacht.» auch die gelungene, Oscar Wilde (wahrscheinlich fälschlich) zugeschriebene, Sentenz «Life is too important to be taken seriously.» – «Das Leben ist zu wichtig, um ernst genommen zu werden.» Dem Vernehmen nach soll ab übernächsten Montag aber wirklich Schluss sein mit Emissionen akustischer und olfaktorischer (Fauchi hat auch Mundgeruch!) Art. Das ist auch wichtig, denn dann startet bei uns ja auch wieder die Prüfungssaison, die gerade für Probezeitklassen zu genügend Stress führt. Da braucht es nicht noch zusätzliches Kreischen, Flexen, Fauchen. Dies konnten wir der Bauleitung auch in aller Deutlichkeit sagen und wir sind hoffnungsvoll, dass es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt, die dann wieder Lärm zu Unzeiten nach sich ziehen.

Eine ruhige Woche wünscht (sich und Ihnen)
Roland Lüthi, Rektor

«Back to the Future»

Gedanken zu vor unserer Zeit

Geplant war ein Wochenbrief zur Begrüssung der Neuen (und natürlich auch der Alteingesessenen) im neuen Schuljahr 2026/27, logisch. Herzlich willkommen, bzw. herzlich willkommen zurück auf der sympathischen Baustelle am Sechtbach, wie man die Kanti zurzeit aufgrund der Vordach-Instandsetzung auch nennen könnte. (Als der Regen am Freitag endlich kam, war man da offenbar noch nicht ganz soweit wie erhofft – Kübel im Physiktrakt halfen, das Gröbste aufzufangen… aber das ist eine andere Geschichte.) Willkommen geheissen wurde ja auch im Newsletter zum Schulstart und so erlaube ich mir, aufgrund einer ausserordentlichen Begebenheit, etwas abzuschweifen in die Vergangenheit.

Zum Ausklang der Ferien war ich am letzten Feriensonntag an einem Fussballspiel, als mein Handy pingte. Ich klaubte es aus der tiefen Tasche (wo ich es zum Üben auf die neuen Regeln an der Schule schon einmal verstaut hatte – auch eine andere Geschichte) und schaute nach: Ein Schulkommissär hatte mir eine alte Schulfotografie geschickt und gefragt, ob ich ihm sagen könne, wann die aufgenommen worden sei. Ich war sofort sehr abgelenkt vom Fussballspiel. Ich schrieb nach etwas Studium zurück, dass das vor meiner Zeit gewesen sei, aber ich schätzte 1986. «Nicht schlecht,» kam zurück, «1983».

Am Montag machten uns die von uns, die schon länger an der Kanti sind, gemeinsam über das Bild her. Mittlerweile wissen wir, dass es die offizielle Schulfotografie von 1984 ist und wir konnten schon 48 Lehrerinnen, Lehrer und Angestellte identifizieren. Sie stehen meist in Trauben, Mitte links finden sich viele Sportlehrer (und eine Sportlehrerin) und auch am rechten Rand auf und vor der Treppe sind viele Lehrpersonen. Vorne rechts steht der stolze Chef des Ganzen, Peter Wolf; sein Nachfolger, Felix Angst ist bei den schon erwähnten Sportlehrern zu finden und dessen Nachfolger wiederum, Jakob Hauser, ist ziemlich genau in der Mitte am rechten Rand.

Bei den Schüler_innen ist das Benennen deutlich schwieriger. Hier kann man sich aber an der Mode der 80er erfreuen. Es ist ja anzunehmen, dass auch jene Fotografie lange im Voraus geplant wurde und so ist es wahrscheinlich, dass die Kleider auf dem Bild sorgfältig ausgewählt wurden, vom muskelbetonenden ärmellosen weissen oder schwarzen T-Shirt bis zum coolen Leder-Gilet (Duran Duran lassen grüssen). Auch 80er: Etwas Rebellion musste sein (der Stinkefinger in der Mitte). Ja, selbst ein Lehrer ist zu finden, der ein Victory-Zeichen in die Kamera streckt.

Aus heutiger Sicht fällt noch mehr auf. Die Skulptur «Durchschritt» von Annemie Fontana, die mittlerweile das Logo der Kanti ist, war, wie die Beton-Quadrate vor dem Aula-Mensa-Trakt (aka «Klettergerüst») und die grossen Stufen, offenbar einmal weiss. (Das passt zu einem neuen Namen, den ich diese Woche für unsere Skulptur hörte: «Der grosse Zahn» ergänzt Übernamen wie «Die Kugel» und «Die IKEA-Schraube».) Besonders augenfällig ist aber der Umfang des Baumstamms unserer Rosskastanie! Diese hat mittlerweile fast schon die Höhe der Dachkante des Hauptgebäudes erreicht, ist auf dem Bild aber noch ein Bäumlein, das kaum Schatten wirft.

In seinem Teil der Willkommensfeier am Montag sprach Prorektor Patrick Wehrli zum Thema «Wachsen». Er hat recht mit dem, was er sagte: Auch unsere neuen Schüler_innen werden in den nächsten vier oder sechs Jahren bei uns nicht nur in die Höhe und die Breite wachsen. Mit dem körperlichen Wachstum wächst auch der Erfahrungs- und Erinnerungsschatz. Derjenige der KZU ist, auch wenn sie eine der jüngeren Zürcher Kantis ist mittlerweile riesig. Man stelle sich vor, man könnte die Geschichten all dieser Leute auf dem Bild erfahren!

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

«Mit den Augen der andern»

Gedanken zu Perspektiven

Am Wochenende beherbergten wir wie alle Jahre Gäste aus Manchester und Umgebung. Im Rahmen unseres Immersionsprogramms laden wir jeden Sommer pro Schule zwei Leute ein – es ist ein Dankeschön für die Arbeit, die an den sechs Partnerschulen, übrigens unentgeltlich, für unsere Immersionsklassen geleistet wird. Für uns, die Schweizer Organisatoren, ergibt sich dabei auch immer die Gelegenheit, unser Land ein bisschen durch die Augen der anderen zu sehen.

Ich berichtete an dieser Stelle letztes Jahr von unserem Ausflug in die zweitgrösste Stadt des Kantons und den Unterschieden und Parallelen zwischen den beiden Industriestädten Winterthur und Manchester. Vorletztes Jahr waren wir mit den Gästen auf einer Führung in Zürich, in einem Stadtteil unweit des Stadions Letzigrund. Eine nicht an Sport interessierte Besucherin fragte mich irgendwann, was denn die drei Buchstaben C, F und Z (in anderer Reihenfolge), die auf zahlreichen Abziehbildchen prangten, bedeuteten! Mit den Augen aus einer anderen Stadt war eben nicht klar, was hier wohl auch eingefleischten Nicht-Fans offensichtlich ist.

Dieses Jahr picknickten wir am See in Rapperswil, als eine Besucherin, die zum ersten Mal in der Schweiz ist, mir erzählte, im Flugzeug habe sie etwas gesehen, was sie so nicht kenne. Ich war gespannt. Sie berichtete, da hätten Schweizer Passagiere neben ihr eine Gurke gegessen, wie man einen Apfel esse. Also einfach so, ungeschält, ungeschnitten, Biss für Biss. Ich schmunzelte etwas und sagte ja, das komme hier vor. (Ich erklärte ihr dann auch das Konzept von Aromat, drang aber, wie mir schien, nicht durch.)

Letzte Woche schaltete eine der grossen Tageszeitungen einen Artikel, in dem Redaktorinnen und Redaktoren, die ursprünglich aus Deutschland kamen, schilderten, was sie auch nach Jahren des Lebens in der Schweiz noch anders (oder: schräg) finden. (Ein sprachliches Beispiel, das nicht im Artikel vorkam, erlebte ich vor vielen Jahren in Deutschland. Wir waren zu Besuch in einem deutschen Seminarhotel. Der Hoteldirektor macht mit uns Schweizer_innen einen kleinen Scherz. Mitten in seiner Begrüssungsrede tat er so, als würde er weggehen, blieb aber in der grossen Eingangstür des Hotels stehen. «Wissen, Sie, was ich grade mache?», fragte er uns. Wir wussten es nicht. «Ich gehe in den Ausgang.» Haha.)

Tatsächlich gibt es Dinge, die man für völlig normal hält, bei denen es den Blick von aussen braucht, um «es anders zu sehen». Vor Jahren war ich zum Beispiel einmal mit einem Gast aus Südafrika in einem Geschäft eines Schweizer Grossisten, nun, Mittel-Grossisten, um genau zu sein. Also Migros. Keith, der Freund, wollte wissen, wie Einkaufen in der Schweiz geht und so kam er eben mit. Wir hatten es nur bis zur Gemüseabteilung geschafft, als er in schallendes Gelächter ausbrach. Ich war gerade daran, ein paar Bananen auf die Waage zu legen. Als er sich erholt hatte, fragte er, ob das unser Ernst sei, dass man selber wiegt und die Nummer eingibt – bei ihnen würde ein solches System zum sofortigen Ruin aller Läden führen. Der gleiche Gast fand, dass unsere temporäre Lösung, wenn Fahrspuren wegen Umbauten geändert werden müssen – diese orangen Streifen, die dann auf die Strasse geklebt werden – eine grossartige Idee sei. Ich hatte mir noch nie überlegt, dass man das anders – oder im Falle von Südafrika gar nicht – machen könnte.

In einer Welt die, wie man immer wieder liest und hört, immer gleicher werde, ist es gut, ein waches Auge auf die Unterschiede zu haben. Natürlich führen Teile der Globalisierung zu Einheitsbrei, aber auch in diesem gibt es manchmal Unterschiede: Die Unterschiede zwischen den Sandwiches einer weltweiten Marke für belegte Brote (Eselsbrücke: U-Bahn) unterscheiden sich zwar aufgrund von kulturellen oder religiösen Präferenzen (interessant, oder?), aber Design und Prozess sind schon sehr ähnlich (weniger interessant).

In den Ferien werden viele von uns, von Ihnen, liebe Leser_innen, diejenigen sein mit den anderen Augen. Ich wünsche Ihnen wache solche, auf dass Sie Unterschiede sehen. Sie sind der Pfeffer wider den Einheitsbrei! Der Wochenbrief ruht bis nach den Sommerferien – auch die Augen des Schreibers werden in den sieben Wochen bis zum nächsten Brief hoffentlich einiges anders sehen.

Einen schönen Sommer wünscht
Roland Lüthi, Rektor

p.s. Das Klimadiagramm im letzten Wochenbrief war jenes von Outjo, Namibia, wo es Sommer ist, wenn es bei uns (manchmal) schneit.

«Ice, Ice, Baby»

Gedanken zur heissen Zeit

Das Bild zeigt das Klimadiagramm einer Stadt im Norden eines afrikanischen Wüstenstaates. Wer es erkennt und mir als erstes den Namen der Stadt schreibt, gewinnt ein Glacé. Wahrscheinlich wird das aber nicht nötig sein, denn alle Angehörigen der KZU bekommen von uns am Montag einen Gutschein für ein Glacé. Wir haben nicht die Mittel, das Haus richtig wirksam zu kühlen, aber vielleicht tut ein eiskalter Tropfen in die heisse Kehle gut.

Tatsächlich ist es so, dass auf der Südseite des Gebäudes vernünftiger Unterricht nach elf Uhr morgens diese Woche kaum mehr möglich war. Zum Glück fanden bis Mittwoch die Maturitätsprüfungen (auf der schattigeren Seite des Hauses durchgeführt) und somit kein Unterricht statt – und vernünftigerweise beschloss die Fachschaft Sport, den Sporttag am Montag ohne die Spiele am Nachmittag durchzuführen. Aber Donnerstag und Freitag war es kaum auszuhalten und die Lehrpersonen waren gezwungen, Lösungen zu finden. Mathe im Keller, Geschichte in der Studiobühne, alles war möglich, wenig half wirklich.

Wenig überraschend kam so das Thema Hitzeferien wieder auf. Diese wurden in den 80er Jahren im Kanton Zürich abgeschafft. Ich erinnere mich noch, wie das ging, als es sie noch gab. Wenn am morgen um 9 Uhr 25° Celsius gemessen wurden, hatten wir frei. Das sind für mich vage Primarschulerinnerungen, heute fehlt, die NZZ hat es auch gemerkt, die rechtliche Grundlage.

Als ich in den bereits erwähnten 80er Jahren des letzten Jahrhunderts mit meiner Schwester das sehr heisse Land, das zum Klimadiagramm passt, zu seiner heissen Jahreszeit bereiste, kam es eigentlich nur einmal zu einem Streit. Wir hatten versucht, die Getränke im Waschtrog des Zeltplatzes einigermassen kühl zu halten, einen Kühlschrank gab es nicht. Der Streit bzw. hitzige (sic!) Wortwechsel entbrannte (sic!), als es darum ging, wer sich auf den Weg (ca. 50m) durch die glühende (sic!) Sonne über gleissenden (sic!) Sand machen würde, um die nächste Büchse Fanta zu holen. Dass die Lunte (sic!) der Leute, wenn es heiss ist, kürzer wird, ist erwiesen. So hat eine grössere Metastudie ergeben, dass ein Anstieg von 10° Celsius auch in der Kriminalitätsstatistik ihren Niederschlag (sic!) findet, welche dann um bis zu 9% ansteigen kann!

Wir an der Kanti versuchen, was wir können. Unser Hausdienst ist noch früher auf als sonst und schaut, dass die Gänge frühmorgens durchwindet werden. Die Idee wäre, dass danach vor allem auf der Südseite die Läden unten blieben und die Fenster nur noch zum Stosslüften geöffnet würden. Daran hält sich kaum eine Klasse – und wer will es ihnen vergönnen, wenn für die letzten Prüfungen Sauerstoff gefragt ist? Für diejenigen, die zur Arbeit in heissen Häusern gezwungen sind, lauten die häufigsten und sichersten Tipps immer gleich: hydrieren und pausieren. Anders als in gewissen gekühlten Stadien in Nordamerika ist es hier wirklich wichtig, dass alle regelmässig genügend ungezuckerte Flüssigkeit aufnehmen. Und anders als für die Fussballprofis sollte es gerade nach der Notenabgabe möglich sein, den Arbeits-Pause-Rhythmus etwas zu variieren.

Aber was sehe ich, wenn ich den Blick auf die Wetterprognose richte? 25° Höchsttemperatur am Mittwoch und auch die Maturfeier am Donnerstag sollte kühler über die Bühne gehen als letztes Jahr. Wollen wir hoffen, dass dem so ist!

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor

«Ein neues Gymi»

Gedanken zur Medienmitteilung zu WegZH

Man konnte es der Presse entnehmen, die WegZH-Katze ist ein gutes Stück aus dem Sack gelassen worden. Es ist jetzt offiziell, wie die neuen Schwerpunktfächer heissen, die die Profile an den Zürcher Gymnasien ersetzen – und welche Schulen welche dieser Schwerpunktfächer anbieten werden.

Schon die Abschaffung der Profile löste unterschiedliche Reaktionen aus, von «Endlich!» (Der Kanton Zürich war der einzige Kanton, der die alten Typen A, B, C, D und E in die Profile rettete als die Reglemente vor dreissig Jahren geändert wurden.) bis zu «Schade!» (Die «profilreinen» Klassen wurden von einigen Lehrpersonen geschätzt.) Persönlich freue ich mich, wenn gewisse Stigmatisierungen, welche mit den Profilen durchaus immer wieder einhergingen, dann weniger prominent auftreten.

Im Bereich der Grundlagenfächer ist neu für alle Zürcher Gymnasien gleich geregelt, in welchem Fach über die Gymizeit wie viele Lektionen unterrichtet werden. Dieser Bereich macht über 80% des Unterrichts aus, die Abschlüsse sollen so über die Schulen und unabhängig des Schwerpunktfachs vergleichbarer werden, der Zugang zu allen Hochschulstudiengängen soll gewährleistet bleiben. Die Fächer lauten: Deutsch, eine zweite Landessprache (neue freie Wahl, ob das Französisch oder Italienisch ist), Englisch, Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Geschichte, Geografie, Bildende Kunst (ehemals Bildnerisches Gestalten), Musik, Informatik, Wirtschaft und Recht.

Im Bereich der Wahlpflichtfächer (Schwerpunktfach und Ergänzungsfach) gibt es keine Vorgaben welche Fächer erlaubt sind, die Kantone sind hier frei.

Die neuen Schwerpunktfächer machen etwa 15% des gesamten Unterrichts aus, den eine Gymnasiastin im Laufe der vier Jahre des Kurzgymnasiums hat. Im Kanton Zürich heissen sie jetzt:

  1. 1. Medien, Identität & Kommunikation
    Beteiligte Fächer: Deutsch, Englisch, Pädagogik/Psychologie
  2. 2. Sprache & Kultur: Italienisch
    Beteiligte Fächer: Italienisch, Geschichte
  3. 3. Sprache & Kultur: Spanisch
    Beteiligte Fächer: Spanisch, Geschichte
  4. 4. Sprache & Philosophie: Latein
    Beteiligte Fächer: Latein, Philosophie
  5. 5. Naturgesetze & mathematische Strukturen
    Beteiligte Fächer: Mathematik, Physik
  6. 6. Engineering
    Beteiligte Fächer: Informatik, Physik, Chemie
  7. 7. Life Sciences
    Beteiligte Fächer: Biologie, Chemie
  8. 8. Geopolitik
    Beteiligte Fächer: Geografie, Geschichte, Wirtschaft und Recht
  9. 9. Wirtschaft, Recht & Gesellschaft
    Beteiligte Fächer: Wirtschaft und Recht, Geografie
  10. 10. Philosophie, Pädagogik & Psychologie
    Beteiligte Fächer: Philosophie, Pädagogik/Psychologie
  11. Künstlerische Fächer
  12. 11. Kunst & Design
    Beteiligte Fächer: Bildende Kunst, Deutsch
  13. 12. Musik & Performance
    Beteiligte Fächer: Musik mit Instrumentalunterricht, Englisch

Als so genannte Vollangebotsschule soll die KZU alle diese anbieten. Wir sind gespannt, was wir dort machen, wo es nur ganz wenige Anmeldungen gibt – aber Probleme sind bekanntlich da, um gelöst zu werden, nicht wahr? Der Katalog macht nicht alle glücklich, der Prozess, wie es dazu kam übrigens auch nicht. So wird der gleiche Prozess von einigen als exemplarisch in seiner Einbindung aller Beteiligten gesehen, während ihn andere als «top-down» empfanden. Auch gibt es die, die finden, man sei wenig konsequent vorgegangen – warum gibt es Schwerpunktfächer, die sehr stark an die alte Profilierung erinnern, ja warum gibt es eines, das sogar genau gleich heisst wie vorher?

Mir scheint wichtig, dass alle jetzt anerkennen, dass die Würfel soweit gefallen sind, dass wir an den Schulen die Werkzeuge in die Hand nehmen können (und müssen – 2029 müssen unsere 3. Klassen mit dem neuen System loslegen!), um die Ausgestaltung anzugehen. Dies müssen wir gemeinsam tun, nur schon, weil es eine Vorgabe ist, dass die Schwerpunktfächer allesamt interdisziplinär konzipiert und dann auch unterrichtet werden. Die KZU wird im Oktober einen Weiterbildungstag für die Lehrpersonen ausrichten, der sich mit genau diesem Thema befasst – Interdisziplinarität war für die allermeisten von uns nicht Teil der Ausbildung. Mein Fokus lag damals sehr stark darauf, als explizite Fachkraft für Englisch ausgebildet zu werden, das war wohl bei den meisten in ihren jeweiligen Fächern so.

«Mein» Schwerpunktfach heisst nun «Medien, Identität und Kommunikation». Letzteres kam sehr wohl vor in Ausbildung, aber als Teil der Linguistik, Kommunikationstechnik war da nicht dabei – und sie hat sich ja auch komplett verändert in den letzten Jahrzehnten. Gleiches gilt für die Medien, auch sie kommen stark verändert daher. Letzte Woche brachte ich in einer Doppelstunde meiner Klasse original importierte englische Zeitungen aus echtem Papier – es wurde rasch klar, dass dies ein Medium ist, dem sich die 16-Jährigen vor mir nicht täglich aussetzen. Fragen der Identität sind sicher zentral im dritten Stammfach Pädagogik/Psychologie – aber Deutsch und Englisch können, so stelle ich mir das vor, hier mit der Literatur wichtige Aspekte einbringen. Wer das bezweifelt, lese doch im Sommer einmal den Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde von Robert Louis Stevenson. Vielleicht erscheint das Werk ja auf der einen oder anderen Leseliste für die mündlichen Maturprüfungen, die in der kommenden Woche bei uns über die Bühne gehen.

Für diese wünsche ich unseren Maturand_innen herzlich gutes Gelingen.

Roland Lüthi, Rektor

«Bike to Work»

Gedanken im Velosattel

Auf der Website liest man: «Bike to Work ist eine schweizweite Aktion zur Gesundheitsförderung in Unternehmen. Jedes Jahr treten im Mai und Juni mehr als 100’000 Pendelnde in die Pedale und setzen das Velo auf ihrem Arbeitsweg ein. Rund 4’000 Betriebe stärken mit Hilfe von Bike to Work den Teamgeist und die Fitness ihrer Mitarbeitenden und bekennen sich zu einem nachhaltigen Mobilitätsverhalten.» Seit dem 1. Juni rollen wir wieder. Dieses Jahr sind fünf Teams an die und von der KZU unterwegs, im Idealfall ohne Ausnahme an jedem Arbeitstag. Dazu ist es ausreichend, einen Weg pro Tag mit dem Velo zu bestreiten, Transport per Zug ist also hälftig auch erlaubt. Eigentlich geht es also nicht darum, wer bzw. welches Team, mehr Kilometer sammelt, sondern um die Regelmässigkeit. Um sich für die Preise zu qualifizieren, sind die Regeln klar: «Wenn du dein Fahrrad an mindestens 50% deiner Arbeitstage benutzt, nimmst du automatisch an der grossen Verlosung der Einzelpreise teil. Alle 4er-Teams, bei denen jedes Mitglied diese 50%-Regel erfüllt, sind zusätzlich für die Verlosung der Teampreise qualifiziert.»

Trotzdem möchte man natürlich gerne auch kilometermässig mit den anderen Teams mithalten, weshalb es mir jedes Jahr schwer fällt, Aufnahme zu finden. Mein Schulweg per Velo beträgt gerade einmal 1.3 Kilometer, damit lässt sich kein Staat machen, aber Achtung: Ich bin, wenn ich es mir in den Kopf setze, recht konsequent. So habe ich es dann doch geschafft und radle für das «Team Nordost». Unsere anderen Gruppen tragen herzige Namen («Vučko» – das Wölfchen), oder, wie kann es bei Sprachlehrpersonen anders sein, solche, die mit Worten und Orten spielen («Wintertour» und «Rhein wie der Blitz»). Am besten gefällt mir persönlich der Gruppenname «Proleten auf Raketen» – sie haben sich sogar ein eigenes Logo generieren lassen!

Wir Nordöstler (eine Nordöstlerin) sind kilometermässig trotz mir nicht schlecht unterwegs – ich versuche ja auch, meinen Beitrag mit einem beträchtlichen Umweg zu leisten: Wenn ich zuerst von der Schule diametral weg radle, den Bahnhof Bülach weiträumig umfahre und dann durch Stettli und etwas hintenrum zu den Veloständern gelange, komme ich auf 5.64 km. (bike-to-work bietet eine App an, auf der man vor und nach dem Start einen Regler wischen und so die Distanz messen lassen kann.) «Wintertour» hat nach 14 Tagen schon über tausend Kilometer gesammelt, sie sind aber nicht in der Nähe der 98% Konsequenz von uns aus dem Nordosten. Die Rangliste ist im Teamzimmer nicht das Thema, aber die morgendlichen Fahrten sind es manchmal schon. Geschichtslehrer Daniel Glenck, der das Ganze vor Jahren initiiert hat und uns jedes Jahr neu motiviert, mitzutun, lässt jeweils einen Teams-Kanal laufen, auf dem er die Pédaleurs und Pédaleuses de Charme einlädt, schöne Morgenstimmungen fotografisch einzufangen und zu teilen.

Die Idee, Volk zu bewegen, funktioniert offenbar auch. Meine Mehrkilometer mögen etwas seltsam anmuten, aber gerade die Sache mit der erwarteten bzw. verlangten Konsequenz hat schon etwas. Schlechtes Wetter? Gute Kleidung! Vom Regen lässt man sich die gute Statistik nicht wegwaschen, vom Schweiss an heissen Tagen auch nicht. Diese Woche hatte ich einen Termin in Zürich, den ich zu jeder anderen Jahreszeit mit dem Zug wahrgenommen hätte, gerade weil da formelle Kleidung angesagt war. Jetzt aber ist bike-to-work und mit einem eBike (erlaubt, wie auch Wege zu Fuss erlaubt sind, seltsamerweise!) liess sich der Termin auch im guten Gewand wahrnehmen – und so war ich für einmal der Nordöstler mit den meisten Kilometern. Nächste Woche bin ich Maturitätsexperte an einer stadtzürcher Schule, das kommt gut!

Eine bewegte Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor