«Bike to Work»

Weitere Wochenbriefe

Gedanken im Velosattel

Auf der Website liest man: «Bike to Work ist eine schweizweite Aktion zur Gesundheitsförderung in Unternehmen. Jedes Jahr treten im Mai und Juni mehr als 100’000 Pendelnde in die Pedale und setzen das Velo auf ihrem Arbeitsweg ein. Rund 4’000 Betriebe stärken mit Hilfe von Bike to Work den Teamgeist und die Fitness ihrer Mitarbeitenden und bekennen sich zu einem nachhaltigen Mobilitätsverhalten.» Seit dem 1. Juni rollen wir wieder. Dieses Jahr sind fünf Teams an die und von der KZU unterwegs, im Idealfall ohne Ausnahme an jedem Arbeitstag. Dazu ist es ausreichend, einen Weg pro Tag mit dem Velo zu bestreiten, Transport per Zug ist also hälftig auch erlaubt. Eigentlich geht es also nicht darum, wer bzw. welches Team, mehr Kilometer sammelt, sondern um die Regelmässigkeit. Um sich für die Preise zu qualifizieren, sind die Regeln klar: «Wenn du dein Fahrrad an mindestens 50% deiner Arbeitstage benutzt, nimmst du automatisch an der grossen Verlosung der Einzelpreise teil. Alle 4er-Teams, bei denen jedes Mitglied diese 50%-Regel erfüllt, sind zusätzlich für die Verlosung der Teampreise qualifiziert.»

Trotzdem möchte man natürlich gerne auch kilometermässig mit den anderen Teams mithalten, weshalb es mir jedes Jahr schwer fällt, Aufnahme zu finden. Mein Schulweg per Velo beträgt gerade einmal 1.3 Kilometer, damit lässt sich kein Staat machen, aber Achtung: Ich bin, wenn ich es mir in den Kopf setze, recht konsequent. So habe ich es dann doch geschafft und radle für das «Team Nordost». Unsere anderen Gruppen tragen herzige Namen («Vučko» – das Wölfchen), oder, wie kann es bei Sprachlehrpersonen anders sein, solche, die mit Worten und Orten spielen («Wintertour» und «Rhein wie der Blitz»). Am besten gefällt mir persönlich der Gruppenname «Proleten auf Raketen» – sie haben sich sogar ein eigenes Logo generieren lassen!

Wir Nordöstler (eine Nordöstlerin) sind kilometermässig trotz mir nicht schlecht unterwegs – ich versuche ja auch, meinen Beitrag mit einem beträchtlichen Umweg zu leisten: Wenn ich zuerst von der Schule diametral weg radle, den Bahnhof Bülach weiträumig umfahre und dann durch Stettli und etwas hintenrum zu den Veloständern gelange, komme ich auf 5.64 km. (bike-to-work bietet eine App an, auf der man vor und nach dem Start einen Regler wischen und so die Distanz messen lassen kann.) «Wintertour» hat nach 14 Tagen schon über tausend Kilometer gesammelt, sie sind aber nicht in der Nähe der 98% Konsequenz von uns aus dem Nordosten. Die Rangliste ist im Teamzimmer nicht das Thema, aber die morgendlichen Fahrten sind es manchmal schon. Geschichtslehrer Daniel Glenck, der das Ganze vor Jahren initiiert hat und uns jedes Jahr neu motiviert, mitzutun, lässt jeweils einen Teams-Kanal laufen, auf dem er die Pédaleurs und Pédaleuses de Charme einlädt, schöne Morgenstimmungen fotografisch einzufangen und zu teilen.

Die Idee, Volk zu bewegen, funktioniert offenbar auch. Meine Mehrkilometer mögen etwas seltsam anmuten, aber gerade die Sache mit der erwarteten bzw. verlangten Konsequenz hat schon etwas. Schlechtes Wetter? Gute Kleidung! Vom Regen lässt man sich die gute Statistik nicht wegwaschen, vom Schweiss an heissen Tagen auch nicht. Diese Woche hatte ich einen Termin in Zürich, den ich zu jeder anderen Jahreszeit mit dem Zug wahrgenommen hätte, gerade weil da formelle Kleidung angesagt war. Jetzt aber ist bike-to-work und mit einem eBike (erlaubt, wie auch Wege zu Fuss erlaubt sind, seltsamerweise!) liess sich der Termin auch im guten Gewand wahrnehmen – und so war ich für einmal der Nordöstler mit den meisten Kilometern. Nächste Woche bin ich Maturitätsexperte an einer stadtzürcher Schule, das kommt gut!

Eine bewegte Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor