«Ungerades»

Gedanken zum Bauen

Eilmeldung: Dieser Wochenbrief wurde vor dem Unwetter vom Freitag, 28. August, geschrieben. Unser Kenntnisstand ist, dass alle wohlauf sind, was das Wichtigste ist. Die Schäden auf dem Schulgebäude und am Schulhaus selbst müssen nun zuerst erhoben werden, bevor wir wissen, was an Folgen auf uns zukommt. Der letzte Abschnitt dieses Wochenbriefes mag allerdings dann nicht mehr als ein frommer Wunsch gewesen sein…

Bei uns zuhause ist kaum eine sanitäre Installation grade montiert worden. Beim Umbau damals war dafür ein sympathischer junger Sanitär mit starkem Berner Dialekt zuständig, der ein sehr entspanntes Verhältnis zu Genauigkeit und handwerklichem Stolz hatte. Ich ärgere mich bei einzelnen Teilen noch heute. In einem früheren Wochenbrief hatte ich es schon einmal davon, dass man sich nur dann darüber ärgern muss, wie die Dinge herauskommen, wenn man einen Einfluss auf sie hätte nehmen können (oder sollen). Das ist hier gegeben, ich hätte einfach mehr zugegen sein müssen, mehr auf die freundlichen Finger schauen, mehr insistieren, dass eine grade aufgehängte Duschkopfführung eher dem Standard entspricht als eine leicht schräge, zum Beispiel. Was den Umbau bzw. die Vordachrenovation und die Instandsetzung der Herrentoiletten an der Schule betrifft, haben wir wenig Einfluss. Vergabe und Bauleitung sind nicht in unserer Hand, das ist im Kanton anders geregelt. Dafür sind wir ja auch sehr dankbar, zumal ein Englisch-, Sport- oder Geografiestudium frei von Modulen zum Bau-Wesen abläuft. Der Nachteil ist, dass wir nun ein Stück weit anderen ausgeliefert sind – und so stelle ich fest, dass man sich mitunter eben doch ärgern kann, auch wenn man selbst keinen direkten Einfluss nehmen kann. Wir hatten gehofft, nach den Sommerferien würden nur noch Arbeiten anstehen, die keinen Lärm verursachen. Im Moment muss aber aufgrund von Verzögerungen immer noch gebohrt, geschliffen, geflext werden – und der Flammenwerfer «Fauchi» kommt auch auf genügend Dezibel, dass man ihn auch durch geschlossene Fenster gut hört. Zu den Verzögerungen kam es, weil der Regen, auf den alle so lange gehofft hatten, am Freitag der ersten Schulwoche offenbar in überraschendem Übermass kam und darum so viel Wasser den Weg in den Physik- und den Geografietrakt fand, dass es aus den Lampen tropfte (bzw. floss) und mit Eimern aufgegangen werden musste. In diesem Zusammenhang sind Gespräche im Gang (oder am Sommerfest für die Neuen am Donnerstag) interessant, weil sie zeigen, dass praktisch alle, die je mit einem Bau oder Umbau zu tun hatten, eine Geschichte von einer schrägen Duschstange oder einer anderen verkehrt montierten Halterung parat haben. Wie heisst das alte Sprichwort, das, wenn nicht vom Bau, so doch aus der Zimmermannszunft kommt? «Wo man hobelt, fliegen Späne.»

Schön wäre, man könnte etwas gelassener damit umgehen, wenn einem wieder einmal so ein Span in die Quere kommt. Dies ist aber angesichts von Termindruck, Menge der Aufgaben, Komplexität des Anstehenden oder manchmal auch einfach mangelnder Lust, wieder einen gemachten Plan zu ändern, nicht immer sehr einfach. Hierzu suchte ich auch nach Sprichwörtern und Redewendungen und fand neben dem immer wieder schönen deutschen «Humor ist, wenn man trotzdem lacht.» auch die gelungene, Oscar Wilde (wahrscheinlich fälschlich) zugeschriebene, Sentenz «Life is too important to be taken seriously.» – «Das Leben ist zu wichtig, um ernst genommen zu werden.» Dem Vernehmen nach soll ab übernächsten Montag aber wirklich Schluss sein mit Emissionen akustischer und olfaktorischer (Fauchi hat auch Mundgeruch!) Art. Das ist auch wichtig, denn dann startet bei uns ja auch wieder die Prüfungssaison, die gerade für Probezeitklassen zu genügend Stress führt. Da braucht es nicht noch zusätzliches Kreischen, Flexen, Fauchen. Dies konnten wir der Bauleitung auch in aller Deutlichkeit sagen und wir sind hoffnungsvoll, dass es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt, die dann wieder Lärm zu Unzeiten nach sich ziehen.

Eine ruhige Woche wünscht (sich und Ihnen)
Roland Lüthi, Rektor