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(Olympische) Gedanken zum Zürcher Mittelschulsporttag
163 KZU-Schüler_innen waren für Mittwoch vom Unterricht abgemeldet, weil sie entweder als Helfer oder als Athletinnen am Zürcher Mittelschulsporttag im Einsatz waren. An diesem Anlass im September messen sich Teams aller Zürcher Kantonsschulen in verschiedensten Sportarten von Leichtathletik bis Unihockey. Die austragenden Schulen übernehmen den ZMS, wie der Tag abgekürzt wird, jeweils für drei Jahre. 2026 war das dritte Jahr, in dem KZU und KSL (Kantonsschule Limmattal in Urdorf) organisierten. Die federführende austragende Schule (also wir) lädt über Mittag zum Apéro und zum Showblock ein. Auf der Homepage der KZU finden sich Jost Rinderknechts Artikel und seine Bilder zu den – teils höchst athletischen – Tanzdarbietungen während dieses Showblocks.
Über die letzten drei Jahre erlebten wir also hautnah, was es braucht, um einen so grossen, kantonsüberspannenden Anlass zu organisieren und durchzuführen. Thomas Umbricht, Fachvorstand Sport bei uns, und sein Gegenpart an der KSL haben dies jedes Jahr hervorragend gemeistert – und es stellten sich ihnen jedes Jahr zusätzliche Herausforderungen. Ich habe auch versucht, herauszufinden, wie gross die Chance ist, dass man an einem frühen Septembermittwoch im Kanton Zürich in drei aufeinanderfolgenden Jahren jedes Mal einen Regentag erwischt. Sie ist nicht sehr gross, es ist aber so gekommen. Und bei uns an der KZU kam es noch schlimmer. Letztes Jahr brach kurz vor dem ZMS eine riesige Schlammlawine aus einem angrenzenden Acker über das Sportgelände, dieses Jahr galt es, nach dem Hagelsturm die Anlage so weit instandzustellen, dass der Sporttag stattfinden konnte. Einmal mehr gebührt an dieser Stelle unserem Hausdienst, insbesondere Drilon Hoxha und Filamenta Ajazaj, ein grosser Dank und ein grosses Lob.
Ich konnte nicht nur den Showblock mitverfolgen, sondern sah auch den 1500-Meter-Lauf der Männer und die Viermal-100-Meter-Staffel der Frauen auf der Tartanbahn der Kanti Bülach. Unsere beiden Jungs schlugen sich wacker, mussten sich aber den drei (!) Läufern von der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon geschlagen geben, die die ersten drei Ränge unter sich ausmachten. Sie liefen alle drei mit 30 Sekunden und mehr Vorsprung ins Ziel ein, eine eindrückliche Demonstration.
Sowieso hatte die KZU schon erfolgreichere ZMS – dieses Jahr war, was die Resultate angeht, eher ernüchternd. Immerhin stehen den vier letzten Plätzen zwei Silbermedaillen gegenüber und vor allem gilt es, den im Zusammenhang mit Niederlagen viel zitierten olympischen Gedanken zu wahren. Diesem bin ich etwas nachgegangen und bin dabei immer tiefer (quasi «profundius») in die Wikipedia eingetaucht. Ursprünglich hiess das Motto der (neuen) olympischen Spiele «citius, altius, fortius», also «schneller, höher, stärker». Das sind drei Komparative – da ging es also noch sehr klar darum, im Vergleich besser abzuschneiden als andere. Offenbar kam es schon früh (1908 in London) zu einem Streit zwischen der englischen und der amerikanischen Delegation, wer den 400-Meter-Lauf gewonnen hatte. Pierre de Coubertin, der Mann, der massgeblich hinter der Neubelebung der olympischen Spiele am Ende des 19. Jahrhunderts stand, schlichtete mit den Worten «Das Wichtige an den olympischen Spielen ist nicht zu siegen, sondern daran teilzunehmen; ebenso wie es im Leben unerlässlich ist, nicht zu besiegen, sondern sein Bestes zu geben.» Daraus entstand dann offenbar die Idee von «Hauptsache, man ist dabei» bzw. «Mitmachen ist wichtiger als gewinnen», die man heute meist meint, wenn man den olympischen Gedanken zitiert.
Es kann mir niemand erzählen, dass sich am ZMS sehr viele Sportler_innen auf den Platz begeben und vor allem denken «schön, dass ich dabei bin». Ich denke tatsächlich, dass, mindestens zu Beginn, jede und jeder einsteigt, um aufzusteigen, schneller zu laufen, genauer zu schiessen, höher zu springen als die Gegnerinnen oder Gegner. Dass es nicht allen gelingen kann, liegt in der Natur der Sache – die jungen Frauen von der Hohen Promenade in der Viermal-100-Meter-Staffel jedenfalls liessen ihren Gegnerinnen vom ersten Abschnitt an nicht den Hauch einer Chance, was beeindruckend war.
An einer Vorlesung über just die Generationen dieser Athlet_innen (Gen Z und Generation Alpha) lernte ich übrigens, dass aktive Sportler_innen direkte Vorzüge aus ihrer Tätigkeit – auch für das Berufsleben – ziehen; aber das ist eine andere Geschichte, vielleicht für einen nächsten Wochenbrief.
Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor