Weitere Wochenbriefe
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- 14.06.2026 «Bike to Work»
- 07.06.2026 «Von Küssen und Statuen»
Gedanken zu vor unserer Zeit
Geplant war ein Wochenbrief zur Begrüssung der Neuen (und natürlich auch der Alteingesessenen) im neuen Schuljahr 2026/27, logisch. Herzlich willkommen, bzw. herzlich willkommen zurück auf der sympathischen Baustelle am Sechtbach, wie man die Kanti zurzeit aufgrund der Vordach-Instandsetzung auch nennen könnte. (Als der Regen am Freitag endlich kam, war man da offenbar noch nicht ganz soweit wie erhofft – Kübel im Physiktrakt halfen, das Gröbste aufzufangen… aber das ist eine andere Geschichte.) Willkommen geheissen wurde ja auch im Newsletter zum Schulstart und so erlaube ich mir, aufgrund einer ausserordentlichen Begebenheit, etwas abzuschweifen in die Vergangenheit.
Zum Ausklang der Ferien war ich am letzten Feriensonntag an einem Fussballspiel, als mein Handy pingte. Ich klaubte es aus der tiefen Tasche (wo ich es zum Üben auf die neuen Regeln an der Schule schon einmal verstaut hatte – auch eine andere Geschichte) und schaute nach: Ein Schulkommissär hatte mir eine alte Schulfotografie geschickt und gefragt, ob ich ihm sagen könne, wann die aufgenommen worden sei. Ich war sofort sehr abgelenkt vom Fussballspiel. Ich schrieb nach etwas Studium zurück, dass das vor meiner Zeit gewesen sei, aber ich schätzte 1986. «Nicht schlecht,» kam zurück, «1983».
Am Montag machten uns die von uns, die schon länger an der Kanti sind, gemeinsam über das Bild her. Mittlerweile wissen wir, dass es die offizielle Schulfotografie von 1984 ist und wir konnten schon 48 Lehrerinnen, Lehrer und Angestellte identifizieren. Sie stehen meist in Trauben, Mitte links finden sich viele Sportlehrer (und eine Sportlehrerin) und auch am rechten Rand auf und vor der Treppe sind viele Lehrpersonen. Vorne rechts steht der stolze Chef des Ganzen, Peter Wolf; sein Nachfolger, Felix Angst ist bei den schon erwähnten Sportlehrern zu finden und dessen Nachfolger wiederum, Jakob Hauser, ist ziemlich genau in der Mitte am rechten Rand.
Bei den Schüler_innen ist das Benennen deutlich schwieriger. Hier kann man sich aber an der Mode der 80er erfreuen. Es ist ja anzunehmen, dass auch jene Fotografie lange im Voraus geplant wurde und so ist es wahrscheinlich, dass die Kleider auf dem Bild sorgfältig ausgewählt wurden, vom muskelbetonenden ärmellosen weissen oder schwarzen T-Shirt bis zum coolen Leder-Gilet (Duran Duran lassen grüssen). Auch 80er: Etwas Rebellion musste sein (der Stinkefinger in der Mitte). Ja, selbst ein Lehrer ist zu finden, der ein Victory-Zeichen in die Kamera streckt.
Aus heutiger Sicht fällt noch mehr auf. Die Skulptur «Durchschritt» von Annemie Fontana, die mittlerweile das Logo der Kanti ist, war, wie die Beton-Quadrate vor dem Aula-Mensa-Trakt (aka «Klettergerüst») und die grossen Stufen, offenbar einmal weiss. (Das passt zu einem neuen Namen, den ich diese Woche für unsere Skulptur hörte: «Der grosse Zahn» ergänzt Übernamen wie «Die Kugel» und «Die IKEA-Schraube».) Besonders augenfällig ist aber der Umfang des Baumstamms unserer Rosskastanie! Diese hat mittlerweile fast schon die Höhe der Dachkante des Hauptgebäudes erreicht, ist auf dem Bild aber noch ein Bäumlein, das kaum Schatten wirft.
In seinem Teil der Willkommensfeier am Montag sprach Prorektor Patrick Wehrli zum Thema «Wachsen». Er hat recht mit dem, was er sagte: Auch unsere neuen Schüler_innen werden in den nächsten vier oder sechs Jahren bei uns nicht nur in die Höhe und die Breite wachsen. Mit dem körperlichen Wachstum wächst auch der Erfahrungs- und Erinnerungsschatz. Derjenige der KZU ist, auch wenn sie eine der jüngeren Zürcher Kantis ist mittlerweile riesig. Man stelle sich vor, man könnte die Geschichten all dieser Leute auf dem Bild erfahren!
Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor