«Ice, Ice, Baby»

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Gedanken zur heissen Zeit

Das Bild zeigt das Klimadiagramm einer Stadt im Norden eines afrikanischen Wüstenstaates. Wer es erkennt und mir als erstes den Namen der Stadt schreibt, gewinnt ein Glacé. Wahrscheinlich wird das aber nicht nötig sein, denn alle Angehörigen der KZU bekommen von uns am Montag einen Gutschein für ein Glacé. Wir haben nicht die Mittel, das Haus richtig wirksam zu kühlen, aber vielleicht tut ein eiskalter Tropfen in die heisse Kehle gut.

Tatsächlich ist es so, dass auf der Südseite des Gebäudes vernünftiger Unterricht nach elf Uhr morgens diese Woche kaum mehr möglich war. Zum Glück fanden bis Mittwoch die Maturitätsprüfungen (auf der schattigeren Seite des Hauses durchgeführt) und somit kein Unterricht statt – und vernünftigerweise beschloss die Fachschaft Sport, den Sporttag am Montag ohne die Spiele am Nachmittag durchzuführen. Aber Donnerstag und Freitag war es kaum auszuhalten und die Lehrpersonen waren gezwungen, Lösungen zu finden. Mathe im Keller, Geschichte in der Studiobühne, alles war möglich, wenig half wirklich.

Wenig überraschend kam so das Thema Hitzeferien wieder auf. Diese wurden in den 80er Jahren im Kanton Zürich abgeschafft. Ich erinnere mich noch, wie das ging, als es sie noch gab. Wenn am morgen um 9 Uhr 25° Celsius gemessen wurden, hatten wir frei. Das sind für mich vage Primarschulerinnerungen, heute fehlt, die NZZ hat es auch gemerkt, die rechtliche Grundlage.

Als ich in den bereits erwähnten 80er Jahren des letzten Jahrhunderts mit meiner Schwester das sehr heisse Land, das zum Klimadiagramm passt, zu seiner heissen Jahreszeit bereiste, kam es eigentlich nur einmal zu einem Streit. Wir hatten versucht, die Getränke im Waschtrog des Zeltplatzes einigermassen kühl zu halten, einen Kühlschrank gab es nicht. Der Streit bzw. hitzige (sic!) Wortwechsel entbrannte (sic!), als es darum ging, wer sich auf den Weg (ca. 50m) durch die glühende (sic!) Sonne über gleissenden (sic!) Sand machen würde, um die nächste Büchse Fanta zu holen. Dass die Lunte (sic!) der Leute, wenn es heiss ist, kürzer wird, ist erwiesen. So hat eine grössere Metastudie ergeben, dass ein Anstieg von 10° Celsius auch in der Kriminalitätsstatistik ihren Niederschlag (sic!) findet, welche dann um bis zu 9% ansteigen kann!

Wir an der Kanti versuchen, was wir können. Unser Hausdienst ist noch früher auf als sonst und schaut, dass die Gänge frühmorgens durchwindet werden. Die Idee wäre, dass danach vor allem auf der Südseite die Läden unten blieben und die Fenster nur noch zum Stosslüften geöffnet würden. Daran hält sich kaum eine Klasse – und wer will es ihnen vergönnen, wenn für die letzten Prüfungen Sauerstoff gefragt ist? Für diejenigen, die zur Arbeit in heissen Häusern gezwungen sind, lauten die häufigsten und sichersten Tipps immer gleich: hydrieren und pausieren. Anders als in gewissen gekühlten Stadien in Nordamerika ist es hier wirklich wichtig, dass alle regelmässig genügend ungezuckerte Flüssigkeit aufnehmen. Und anders als für die Fussballprofis sollte es gerade nach der Notenabgabe möglich sein, den Arbeits-Pause-Rhythmus etwas zu variieren.

Aber was sehe ich, wenn ich den Blick auf die Wetterprognose richte? 25° Höchsttemperatur am Mittwoch und auch die Maturfeier am Donnerstag sollte kühler über die Bühne gehen als letztes Jahr. Wollen wir hoffen, dass dem so ist!

Eine gute Woche wünscht
Roland Lüthi, Rektor