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Gedanken zur Medienmitteilung zu WegZH
Man konnte es der Presse entnehmen, die WegZH-Katze ist ein gutes Stück aus dem Sack gelassen worden. Es ist jetzt offiziell, wie die neuen Schwerpunktfächer heissen, die die Profile an den Zürcher Gymnasien ersetzen – und welche Schulen welche dieser Schwerpunktfächer anbieten werden.
Schon die Abschaffung der Profile löste unterschiedliche Reaktionen aus, von «Endlich!» (Der Kanton Zürich war der einzige Kanton, der die alten Typen A, B, C, D und E in die Profile rettete als die Reglemente vor dreissig Jahren geändert wurden.) bis zu «Schade!» (Die «profilreinen» Klassen wurden von einigen Lehrpersonen geschätzt.) Persönlich freue ich mich, wenn gewisse Stigmatisierungen, welche mit den Profilen durchaus immer wieder einhergingen, dann weniger prominent auftreten.
Im Bereich der Grundlagenfächer ist neu für alle Zürcher Gymnasien gleich geregelt, in welchem Fach über die Gymizeit wie viele Lektionen unterrichtet werden. Dieser Bereich macht über 80% des Unterrichts aus, die Abschlüsse sollen so über die Schulen und unabhängig des Schwerpunktfachs vergleichbarer werden, der Zugang zu allen Hochschulstudiengängen soll gewährleistet bleiben. Die Fächer lauten: Deutsch, eine zweite Landessprache (neue freie Wahl, ob das Französisch oder Italienisch ist), Englisch, Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Geschichte, Geografie, Bildende Kunst (ehemals Bildnerisches Gestalten), Musik, Informatik, Wirtschaft und Recht.
Im Bereich der Wahlpflichtfächer (Schwerpunktfach und Ergänzungsfach) gibt es keine Vorgaben welche Fächer erlaubt sind, die Kantone sind hier frei.
Die neuen Schwerpunktfächer machen etwa 15% des gesamten Unterrichts aus, den eine Gymnasiastin im Laufe der vier Jahre des Kurzgymnasiums hat. Im Kanton Zürich heissen sie jetzt:
- 1. Medien, Identität & Kommunikation
Beteiligte Fächer: Deutsch, Englisch, Pädagogik/Psychologie - 2. Sprache & Kultur: Italienisch
Beteiligte Fächer: Italienisch, Geschichte - 3. Sprache & Kultur: Spanisch
Beteiligte Fächer: Spanisch, Geschichte - 4. Sprache & Philosophie: Latein
Beteiligte Fächer: Latein, Philosophie - 5. Naturgesetze & mathematische Strukturen
Beteiligte Fächer: Mathematik, Physik - 6. Engineering
Beteiligte Fächer: Informatik, Physik, Chemie - 7. Life Sciences
Beteiligte Fächer: Biologie, Chemie - 8. Geopolitik
Beteiligte Fächer: Geografie, Geschichte, Wirtschaft und Recht - 9. Wirtschaft, Recht & Gesellschaft
Beteiligte Fächer: Wirtschaft und Recht, Geografie - 10. Philosophie, Pädagogik & Psychologie
Beteiligte Fächer: Philosophie, Pädagogik/Psychologie - Künstlerische Fächer
- 11. Kunst & Design
Beteiligte Fächer: Bildende Kunst, Deutsch - 12. Musik & Performance
Beteiligte Fächer: Musik mit Instrumentalunterricht, Englisch
Als so genannte Vollangebotsschule soll die KZU alle diese anbieten. Wir sind gespannt, was wir dort machen, wo es nur ganz wenige Anmeldungen gibt – aber Probleme sind bekanntlich da, um gelöst zu werden, nicht wahr? Der Katalog macht nicht alle glücklich, der Prozess, wie es dazu kam übrigens auch nicht. So wird der gleiche Prozess von einigen als exemplarisch in seiner Einbindung aller Beteiligten gesehen, während ihn andere als «top-down» empfanden. Auch gibt es die, die finden, man sei wenig konsequent vorgegangen – warum gibt es Schwerpunktfächer, die sehr stark an die alte Profilierung erinnern, ja warum gibt es eines, das sogar genau gleich heisst wie vorher?
Mir scheint wichtig, dass alle jetzt anerkennen, dass die Würfel soweit gefallen sind, dass wir an den Schulen die Werkzeuge in die Hand nehmen können (und müssen – 2029 müssen unsere 3. Klassen mit dem neuen System loslegen!), um die Ausgestaltung anzugehen. Dies müssen wir gemeinsam tun, nur schon, weil es eine Vorgabe ist, dass die Schwerpunktfächer allesamt interdisziplinär konzipiert und dann auch unterrichtet werden. Die KZU wird im Oktober einen Weiterbildungstag für die Lehrpersonen ausrichten, der sich mit genau diesem Thema befasst – Interdisziplinarität war für die allermeisten von uns nicht Teil der Ausbildung. Mein Fokus lag damals sehr stark darauf, als explizite Fachkraft für Englisch ausgebildet zu werden, das war wohl bei den meisten in ihren jeweiligen Fächern so.
«Mein» Schwerpunktfach heisst nun «Medien, Identität und Kommunikation». Letzteres kam sehr wohl vor in Ausbildung, aber als Teil der Linguistik, Kommunikationstechnik war da nicht dabei – und sie hat sich ja auch komplett verändert in den letzten Jahrzehnten. Gleiches gilt für die Medien, auch sie kommen stark verändert daher. Letzte Woche brachte ich in einer Doppelstunde meiner Klasse original importierte englische Zeitungen aus echtem Papier – es wurde rasch klar, dass dies ein Medium ist, dem sich die 16-Jährigen vor mir nicht täglich aussetzen. Fragen der Identität sind sicher zentral im dritten Stammfach Pädagogik/Psychologie – aber Deutsch und Englisch können, so stelle ich mir das vor, hier mit der Literatur wichtige Aspekte einbringen. Wer das bezweifelt, lese doch im Sommer einmal den Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde von Robert Louis Stevenson. Vielleicht erscheint das Werk ja auf der einen oder anderen Leseliste für die mündlichen Maturprüfungen, die in der kommenden Woche bei uns über die Bühne gehen.
Für diese wünsche ich unseren Maturand_innen herzlich gutes Gelingen.
Roland Lüthi, Rektor